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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 81. Band, (Jahrgang 1875)

Beiträge  zur  altslovenischen  Grammatik.  97

Gebrauch  des  a  in  den  bulg.  Quellen  schwankend  ist  und
serb.  gredu  auf  buchstäblicher  Wiedergabe  einer  bulg.  Form
beruhen  kann.  Die  $ache  bedarf  noch  weiterer  Untersuchung.
Dem  Gesagten  gemäss  besteht  in  den  ältesten  asl.  Denk-  ■
malern  neben  dem  in  späteren  Quellen  allein  gebräuchlichen
gredy  die  Form  grede.  Um  gredy  neben  grede  einigermassen
  zu  begreifen,  muss  man  von  greda  (gredat)  ausgehen,
das  in  gredasti,  gredastt,  gredasta  u.  s.  w.  vorkömmt.
Auslautendes  a  hat  in  manchen  Formen  die  Neigung,  sich  zu
schwächen,  wobei  es  zu  y  oder  zu  e  herabsinkt.  Jenes  ist
jedoch  aus  a  nicht  unmittelbar  hervorgegangen,  sondern  es  ist
a  zuerst  in  u>  verwandelt  und  dieses  zu  y  verstärkt  worden.
Das  Herabsinken  des  a  zu  t>  ist  eine  nicht  seltene  Erscheinung,
und  was  die  Verstärkung  des  %  zu  y  anlangt,  so  tritt  dieselbe
nicht  nur  in  ljuby  und  ähnlichen  Formen  im  Auslaute,  sondern ­
  auch  im  Inlaute  ein.  y  ist  auf  slavischem  Boden  entstanden ­
  und  stellt  sich  in  allen  Fällen  als  eine  Verstärkung
des  7,  dar:  es  wird  irrthümlich  auf  altindisches  ü  zurückgeführt.
Dass  e  ein  schwächerer  Laut  ist  als  a,  ergibt  sich  aus  dem
Verliältniss  des  e  zu  o,  aus  dem  Verhältniss  der  Wurzel  reg
zu  ragTj,  sowie  aus  dem  polnischen  maz,  meza;  reka,  rak.
In  der  Sprache  der  späteren  Denkmäler  geht  der  Auslaut  des
Partie,  praes.  act.  a  nur  nach  j  und  den  ein  solches  in  sich
schliessenden  Consonanten  in  e  über,  während  in  allen  anderen
Fällen  y  eintritt,  daher  bije.,  maze  und  gredy.  Die  gleiche
Differenz  besteht  im  Plur.  acc.  der  t.-Stämme  und  im  Sing,
gen.,  sowie  im  Plur.  acc.  und  in  dem  damit  identischen  Plur.
nom.  der  a-Stämme;  daher  raby  und  maze,  ryby  und  mreze.
Aus  dem  Umstande,  dass  gredy  und  maze  dem  i;aby  und
maze,  sowie  dem  ryby  und  mreze  gegenübersteht,  sind  wir
zu  dem  Schlüsse  berechtigt,  dass  den  letzteren  Formen  eine
auf  a  auslautende  Urform  zu  Grunde  liegt:  raba,  maza  und
ryba,  mreza.  Wenn  man  die  dem  Asl.  nächst  verwandten
Sprachen,  das  Nsl.  und  das  Serb.  —  das  Bulgarische  hat  die
Declination  schon  sehr  früh  fast  ganz  aufgegeben  —  prüft,  so
findet  man  bei  den  t.-  und  a-Stämmen  auch  nach  den  sog.
harten  Consonanten  das  dem  asl.  e  entsprechende  e,  denn  die
Plur.  acc.  lauten  rabe  (robe)  und  ribe  aus  rabe,  rybe,  und
diese  aus  raba,  ryba.  Es  versteht  sich  von  selbst,  dass  e
Sitzungsber.  d.  phU.-hist.  CI.  LXXXI.  Ed.  I.  Hit.  7

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