Xenopliontisclie Studien.
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gibt nämlich keineswegs den Wortlaut, sondern bloss den
Sinn der Stelle mit eigenen Worten wieder. Wem sieht es
endlich mehr ähnlich, dass er derlei Dichterstellen anführte
und sich in längerer Erörterung über dieselben ergieng, dem
Polykrates oder dem Meietos? Ich glaube, dass die Entscheidung
nicht schwer fallen wird, wenn man die Manier der
Sophisten ihre Declamationen mit solchem Beiwerk auszustatten
erwägt und dann §. 56 und das schon früher citierte
Scholion zu Aristides (III, 320, 4 u. 25) vergleicht. 1
Doch es steht uns für die Ansicht, unter dem -/.anpfopoc
könne nur Polykrates verstanden werden, noch ein weiterer
Beweis zu Gebote. Wie nämlich Cobet S. 666 richtig bemerkt,
deutet der Eingang der Apomnemoncumata HoAAaz.ic eOau[j.aca,
ti'gi tote Xöyoi? ’AO^vatoup exeiaav oi ypat|/a|j.Evot Swxpdrrjv wc a^io;
eI'v) Oavatou ty) xöaei darauf hin, dass Xenophon mit dem näheren
Detail des Processes und dem Inhalte der Klagrede nicht
bekannt war. Damit stimmt denn nun vollkommen, dass sich
in der ganzen Schrift nicht die geringste Andeutung über den
Gang des Processes, die Verurtheilung und den Tod des Sokrates
findet; denn die Stellen IV, 4, 4 und IV, 8 sind, wie
wir im dritten Abschnitte nachweisen werden, unecht. Breitenbach
S. 801 meint zwar, es stünde nichts im Wege Aoyoi als
die durch die Rede ausgeführten Gründe zu nehmen und
Xenophon habe sich um so leichter verwundern können,
welcher Rede, welcher Darstellung es gelungen sein möchte
mit solchen Gründen, wie sie ihm bekannt geworden waren,
1 Wenn Dindorf in der Praefatio p. XXIV den Satz anfstellt: Libanii
Apologia fere conservata est declamatin Polyerat.ist, so ist dies freilich
eine sehr kühne Behauptung, da sich ein Beweis hiefür nicht
führen lässt. Libanios hat ausser der Apologie und dem Phaidon des
Platon ganz besonders die Apomnemoneumata benützt (vgl. die Ausgabe
von Reiske III, p. 53). Allerdings linden sich auch ziemlich viele
Beriihrungspuncte mit der xairjyopta des Polykrates, nämlich p. 5, 17
u. 16, 12 die Anschuldigung der xoij <bj[Aou xaxaXuan;, p. 30, 3 die Erwähnung
des ITesiodeischen Spruches l'pyov 8’ oüosv ovsioo? (vgl. ’Ax:. I,
2, 37), p. 33, 16 die Züchtigung von Leuten des Demos durch Odysseus,
p. 36, 5 der Raub des Palladion durch Odysseus (vgl. Scliol. Arist. III,
320, 4 u. 25), p. 47, 1 u. 52, 16 die Nennung des Kritias und Alkibiades als
Schüler des Sokrates; indessen kann Libanios dies eben so gut zum Theile
aus Xenophon selbst oder auch aus der Apologie des Lysias entnommen
haben, was für ihn nach dem ganzen Plane seiner Schrift gewiss näher lag.