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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Xenopliontisclie  Studien.

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gibt  nämlich  keineswegs  den  Wortlaut,  sondern  bloss  den
Sinn  der  Stelle  mit  eigenen  Worten  wieder.  Wem  sieht  es
endlich  mehr  ähnlich,  dass  er  derlei  Dichterstellen  anführte
und  sich  in  längerer  Erörterung  über  dieselben  ergieng,  dem
Polykrates  oder  dem  Meietos?  Ich  glaube,  dass  die  Entscheidung ­
  nicht  schwer  fallen  wird,  wenn  man  die  Manier  der
Sophisten  ihre  Declamationen  mit  solchem  Beiwerk  auszustatten ­
  erwägt  und  dann  §.  56  und  das  schon  früher  citierte
Scholion  zu  Aristides  (III,  320,  4  u.  25)  vergleicht.  1
Doch  es  steht  uns  für  die  Ansicht,  unter  dem  -/.anpfopoc
könne  nur  Polykrates  verstanden  werden,  noch  ein  weiterer
Beweis  zu  Gebote.  Wie  nämlich  Cobet  S.  666  richtig  bemerkt,
deutet  der  Eingang  der  Apomnemoncumata  HoAAaz.ic  eOau[j.aca,
ti'gi  tote  Xöyoi?  ’AO^vatoup  exeiaav  oi  ypat|/a|j.Evot  Swxpdrrjv  wc  a^io;
eI'v)  Oavatou  ty)  xöaei  darauf  hin,  dass  Xenophon  mit  dem  näheren
Detail  des  Processes  und  dem  Inhalte  der  Klagrede  nicht
bekannt  war.  Damit  stimmt  denn  nun  vollkommen,  dass  sich
in  der  ganzen  Schrift  nicht  die  geringste  Andeutung  über  den
Gang  des  Processes,  die  Verurtheilung  und  den  Tod  des  Sokrates ­
  findet;  denn  die  Stellen  IV,  4,  4  und  IV,  8  sind,  wie
wir  im  dritten  Abschnitte  nachweisen  werden,  unecht.  Breitenbach ­
  S.  801  meint  zwar,  es  stünde  nichts  im  Wege  Aoyoi  als
die  durch  die  Rede  ausgeführten  Gründe  zu  nehmen  und
Xenophon  habe  sich  um  so  leichter  verwundern  können,
welcher  Rede,  welcher  Darstellung  es  gelungen  sein  möchte
mit  solchen  Gründen,  wie  sie  ihm  bekannt  geworden  waren,
1  Wenn  Dindorf  in  der  Praefatio  p.  XXIV  den  Satz  anfstellt:  Libanii
Apologia  fere  conservata  est  declamatin  Polyerat.ist,  so  ist  dies  freilich
eine  sehr  kühne  Behauptung,  da  sich  ein  Beweis  hiefür  nicht
führen  lässt.  Libanios  hat  ausser  der  Apologie  und  dem  Phaidon  des
Platon  ganz  besonders  die  Apomnemoneumata  benützt  (vgl.  die  Ausgabe ­
  von  Reiske  III,  p.  53).  Allerdings  linden  sich  auch  ziemlich  viele
Beriihrungspuncte  mit  der  xairjyopta  des  Polykrates,  nämlich  p.  5,  17
u.  16,  12  die  Anschuldigung  der  xoij  <bj[Aou  xaxaXuan;,  p.  30,  3  die  Erwähnung ­
  des  ITesiodeischen  Spruches  l'pyov  8’  oüosv  ovsioo?  (vgl.  ’Ax:.  I,
2,  37),  p.  33,  16  die  Züchtigung  von  Leuten  des  Demos  durch  Odysseus,
p.  36,  5  der  Raub  des  Palladion  durch  Odysseus  (vgl.  Scliol.  Arist.  III,
320,  4  u.  25),  p.  47,  1  u.  52,  16  die  Nennung  des  Kritias  und  Alkibiades  als
Schüler  des  Sokrates;  indessen  kann  Libanios  dies  eben  so  gut  zum  Theile
aus  Xenophon  selbst  oder  auch  aus  der  Apologie  des  Lysias  entnommen
haben,  was  für  ihn  nach  dem  ganzen  Plane  seiner  Schrift  gewiss  näher  lag.
            
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