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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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Schenk  1.

natürlich  nicht  genau  genommen.  Und  was  die  Leser  anbetriti't,
  so  kümmerten  sich  dieselben  ebenso  wenig 1  darum,  wenn
nur  das  Thema  recht  pikant,  in  geschickter  Anordnung  und
mit  allem  Schmucke  des  Stiles  behandelt  war.  Waren  denn
nicht  die  Staats-,  Leichen-,  Gerichtsreden  zum  grössten  Theile
Prunkstücke,  hei  denen  die  Wahrheit  nur  zu  oft  übel  wegkam?
Nach  allen  dem  müssen  wir  annehmen,  dass  der  xaxrjyopoc
Niemand  anderer  als  Polykrates  ist;  dafür  haben  wir  doch
bestimmte  Anhaltspuncte,  während  wir  nirgends  eine  Andeutung ­
  darüber  finden,  dass  etwas  dergleichen  in  der  Klagrede ­
  des  Meietos  vorkam.
Wir  kommen  nun  zu  der  zweiten  Stelle.  Auch  hier  erhebt ­
  Breitenbach  S.  810  Bedenken.  Polykrates,  sagt  er,  mache
den  Sokrates  zum  Gegner  der  Demokratie,  die  er  habe  beseitigen ­
  wollen,  gehe  also  viel  weiter  als  der  xanfropo?  bei
Xenophon,  der  nur  behauptet,  Sokrates  habe  es  ebenso  wie
der  Dichter  empfohlen  arme  Leute  aus  dem  Volke  zu  schlagen.
Aber  er  übersieht  hiebei,  dass  der  Scholiast  keineswegs  die  Worte
des  Polykrates  selbst  anführt,  sondern  die  Erörterung  desselben
in  Kürze  zusammenfasst  und  daher  der  Ausdruck  oxi  xyjv  or,|j.oxpaxiav
  ex  xoüxo'j  xaxaAÜstv  exe/eipei  eigentlich  ihm  angehört,  was
ebenso  von  den  folgenden  Worten  oüoev  Xeywv  <ppovxi£eiv  p.dXXcv
aüxbv  xijs  xd?sw?  gilt.  Ich  meine  dies  nicht  so,  als  ob  Polykrates
nicht  gegen  Sokrates  den  Vorwurf  der  xaxaXuatq  erhoben  habe.
Das  war  gewiss  der  Fall,  wie  aus  ’Atc.  I,  2,  9  ff.  und  aus
§.  56  (xupawtxoi?)  hervorgeht;  denn  die  Stelle,  welche  der
Scholiast  anführt,  war  ja  nur  ein  Glied  einer  längeren  Erörterung. ­
  Dass  aber  Polykrates  auch  hier,  bei  der  Besprechung
der  homerischen  Verse,  jenen  Ausdruck  gebrauchte,  möchte
ich  nicht  für  wahrscheinlich  halten.  Liegt  übrigens  nicht  in
solcher  Deutung  und  Anwendung  jener  Verse  etwas  Tyrannisches? ­
  Und  sagt  nicht  Xenophon  §.  60:  aXXa  2(oxpdxr]<;  ye
xävavxia  xoüxoiv  cavepbc  vjv  xai  8r t p.oxixb?  xai  (piAavÜpuxo?  wv?  Wenn
Breitenbach  S.  811  weiter  bemerkt,  dass  auch  hier  der  Wortlaut ­
  nicht  vollkommen  übereinstimme;  denn  bei  Xenophon  lese
man  itoAAdxi;  aüxbv  Xeyeiv,  im  Scholion  aei  .  .  .  Oaup.d?ovxa,  dort
xaiEcöat  xoü;  3v)p.6xai;  xai  xiv^xa?,  hier  xob;  ioiwxai;  xüxxovxa;  so
braucht  man  nur  das  Scholion  genauer  anzusehen,  um  sich  zu
überzeugen,  dass  dieser  Grund  kein  Gewicht  hat.  Der  Scholiast
            
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