764
Gomperz.
er ohne Rücksicht auf das folgende annimmt, es sei hier von
Klytämnestra’s Verfahren gegen ihre Kinder die Rede, und
demgemäss unter allen Umständen an Aegisth als dem toui?
festhalten muss. Doch wären seine Vorschläge auch dann unannehmbar
wenn wir diese Voraussetzung gelten lassen könnten.
Seine erste Aeusserung (Anal. trag. p. 211) lautet also : ,manifesto
haec pugnant cum v. 27. L(ege): nam } qkaer’- est
3 pers. et intransitivum'. Dieser Aenderungsvorschlag ist schon
darum unstatthaft, weil die Gesinnung oder That eines Anderen
nicht den Gegenstand meiner Reue (o’igoi •— twv ipiwv
ßouAsugflCTWv) bilden kann. Die zweite Vermuthung: <b; gäXXov
■?} ypr,') |R v^Xas’ et? opyljv tcögiq (Stud. crit. in trag. gr. p. 42)
müssten wir aber aus dem einfachen Grunde ablehnen, weil Klytämnestra
als Motiv ihres Verhaltens gegen Orest- und Elektra
niemals — weder vorher noch nachher — den Affect des
Zornes bezeichnet oder bezeichnen kann. Gegen Agamemnon
aber (wenn wir — was offenbar Herwerden’s Meinung nicht
ist — an dessen Ermordung denken) war ihre eigene, im vorangehenden
ausführlich begründete, offen eingestandene, ja (wie
Elektra - 1067 — meint) bis zur Uebertreibung betonte Erbitterung
stark genug um keiner fremden Nachhilfe zu bedürfen.
Jedenfalls würde das Hereinziehen des Aegisth ihr
ganzes bisheriges Vertheidigungssystem durchbrechen; will sie
doch in ihrem Buhlen nur einen Bundesgenossen gesucht und
gefunden haben, mit dessen Beistand sie ihre Unbilden rächen
konnte (1046—48), einen Helfer, nicht einen Anstifter der
That. Doch ich mag nicht gegen Windmühlen kämpfen; darum
überlasse ich den (irre ich nicht) letzten noch möglichen Irrweg
— ich meine den etwaigen Versuch diesem zweiten Vorschlag
dadurch aufzuhelfen, dass man Agamemnon und nicht
Aegisth als das Subject ansieht getrost dem Urtheil des
einsichtigen Lesers.
Eine merkwürdige Ahnung des Richtigen zeigt die wunderliche
Anmerkung Bothe’s: ,significari videtur altercatio
Agamemnonis et Clytaemnestrae illo die quo occisus est;
qua de re nihil, quod sciam, traditur ab aliis‘.