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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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Gomperz.

er  ohne  Rücksicht  auf  das  folgende  annimmt,  es  sei  hier  von
Klytämnestra’s  Verfahren  gegen  ihre  Kinder  die  Rede,  und
demgemäss  unter  allen  Umständen  an  Aegisth  als  dem  toui?
festhalten  muss.  Doch  wären  seine  Vorschläge  auch  dann  unannehmbar ­
  wenn  wir  diese  Voraussetzung  gelten  lassen  könnten.
Seine  erste  Aeusserung  (Anal.  trag.  p.  211)  lautet  also  :  ,manifesto
  haec  pugnant  cum  v.  27.  L(ege):  nam  } qkaer’-  est
3  pers.  et  intransitivum'.  Dieser  Aenderungsvorschlag  ist  schon
darum  unstatthaft,  weil  die  Gesinnung  oder  That  eines  Anderen ­
  nicht  den  Gegenstand  meiner  Reue  (o’igoi  •—  twv  ipiwv
ßouAsugflCTWv)  bilden  kann.  Die  zweite  Vermuthung:  <b;  gäXXov
■?}  ypr,')  |R  v^Xas’  et?  opyljv  tcögiq  (Stud.  crit.  in  trag.  gr.  p.  42)
müssten  wir  aber  aus  dem  einfachen  Grunde  ablehnen,  weil  Klytämnestra
  als  Motiv  ihres  Verhaltens  gegen  Orest-  und  Elektra
niemals  —  weder  vorher  noch  nachher  —  den  Affect  des
Zornes  bezeichnet  oder  bezeichnen  kann.  Gegen  Agamemnon
aber  (wenn  wir  —  was  offenbar  Herwerden’s  Meinung  nicht
ist  —  an  dessen  Ermordung  denken)  war  ihre  eigene,  im  vorangehenden ­
  ausführlich  begründete,  offen  eingestandene,  ja  (wie
Elektra  -  1067  —  meint)  bis  zur  Uebertreibung  betonte  Erbitterung ­
  stark  genug  um  keiner  fremden  Nachhilfe  zu  bedürfen. ­
  Jedenfalls  würde  das  Hereinziehen  des  Aegisth  ihr
ganzes  bisheriges  Vertheidigungssystem  durchbrechen;  will  sie
doch  in  ihrem  Buhlen  nur  einen  Bundesgenossen  gesucht  und
gefunden  haben,  mit  dessen  Beistand  sie  ihre  Unbilden  rächen
konnte  (1046—48),  einen  Helfer,  nicht  einen  Anstifter  der
That.  Doch  ich  mag  nicht  gegen  Windmühlen  kämpfen;  darum
überlasse  ich  den  (irre  ich  nicht)  letzten  noch  möglichen  Irrweg ­
  —  ich  meine  den  etwaigen  Versuch  diesem  zweiten  Vorschlag ­
  dadurch  aufzuhelfen,  dass  man  Agamemnon  und  nicht
Aegisth  als  das  Subject  ansieht  getrost  dem  Urtheil  des
einsichtigen  Lesers.
Eine  merkwürdige  Ahnung  des  Richtigen  zeigt  die  wunderliche ­
  Anmerkung  Bothe’s:  ,significari  videtur  altercatio
Agamemnonis  et  Clytaemnestrae  illo  die  quo  occisus  est;
qua  de  re  nihil,  quod  sciam,  traditur  ab  aliis‘.
            
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