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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  griechischer  Schriftsteller.

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Und  somit  dürften  die  Wunden,  welche  Unverstand
und  Fahrlässigkeit  diesen  Versen  geschlagen  haben,  insgesammt
erkannt  und  geheilt  sein.  Denn  Madvig’s  Vorschlag  (advers.
I,  254),  auch  xsaooaa  und  zwar  in  tcoövö’  zu  ändern,  wird  kaum
als  zulässig,  gewiss  nicht  als  nothwendig  befunden  werden.
Unleugbar  liegt  hier  eine  confusio  duarum  constructionum  vor,
für  die  auch  mir  augenblicklich  keine  Belege  zur  Hand  sind,
die  ich  aber  darum  doch  nicht  wegemendiren  möchte.  Es  ist
als  ob  wir  im  Deutschen  sagten  (und  ähnliches  spricht  und
schreibt  man  gewiss  nicht  allzu  selten):  ,bei  einer  Gesundheit
wie  die  deine  kannst  du  auf  ein  hohes  Alter  rechnen 1  statt
streng  logisch  zu  sagen  entweder:  ,bei  einer  Gesundheit  wie
die  deine  kann  man  u.  s.  w.‘,  oder:  ,bei  deiner  Gesundheit
kannst  du  u.  s.  w 1 .  Wäre  nun  in  unserem  Falle  die  verallgemeinernde ­
  Construction  (ei?  xXiSwva  ..  .  oaov  ab  —-  ,eine
Fluth,  so  gewaltig  wie  jene  in  die  du  gestürzt  bist')  nicht
gewählt  worden,  so  würde  die  Darstellung  der  erforderlichen
Kraft  ermangeln;  wäre  sie  consequent  festgehalten  (also  ^eaöv0’
geschrieben,  wozu  man  nvä  zu  ergänzen  hätte,  Krüger  55,  2,  6:
,wie  kannst  du  glauben,  dass  Jemand  .  .  .  entrinnen  könnte?')
so  würde  sie,  denk’  ich,  der  Actualität  entbehren.  Es  stünde
ein  allgemeiner  Gedanke  vor  uns,  wo  wir  seine  Anwendung
auf  den  vorliegenden  Fall  erwarten.  Zu  jenem  xe<jöv0’  aber
(wie  Madvig  wollte)  t'ov  xavova  zu  denken  und  exveüaai  von  exveuw
,declino'  abzuleiten,  -  dies  erweist  sich  (von  allem  andern  abgesehen) ­
  schon  im  Hinblick  auf  den  oben  angeführten  V.  823
als  völlig  unstatthaft.  Desselben  Kritikers  Einwand  gegen  die
herkömmliche  Auffassung:  ,praeterea  non  quaeritur  h.  1.,  possitne
  Phaedra  enatare  et  evadere'  hat  der  Scholiast  (s.  oben)
durch  das  seiner  Paraphrase  eingeflochtene  Wörtchen  ä-aatarwc
bereits  zutreffend  beantwortet.  Nicht  ob  Phädra  der  auf  sie
einstürmenden  Schicksalsfluth  entrinnen  werde,  sondern  —  und
diese  Ergänzung  bietet  der  Zusammenhang  mit  Nothwendigkeit
dar  —  ob  sie  ihr  völlig  unversehrt,  ohne  jegliche  Einbusse
und  ohne  das  mindeste  Opfer  werde  entrinnen  können,  das  ist
die  Frage.  Dadurch  hängt  die  zweite  Hälfte  dieser  Verse  mit
der  ersten  zusammen,  gleichwie  diese  sich  an  den  vorhergehenden ­
  V.  467  (ouo’  exzo.v.eiv  toi  XP4 V  ß lov  Uav  ßpotoü?)  begründend ­
  anschliesst.

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