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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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Zimmermann.  Schelling’s  Philosophie  der  Kunst.

zwei  Jahre  darauf  wirklich  vorgetragen  wurde,  Notiz  genommen,
habe  ich  nirgends  erwähnt  gefunden.
Zum  Schlüsse  sei  erwähnt,  dass  sich  Schelling  für  sein
,ästhetisches  Vorurtheil'  dem  Anschein  nach  hätte  auf  Schiller
berufen  dürfen.  Am  27.  März  1801  schreibt  Schiller  an  Goethe,
und  zwar  auf  Veranlassung  eines  ,Krieges',  den  er  Schelling
gemacht  habe  wegen  einer  Behauptung  in  seiner  Transcendentalphilosophie,
  folgenden  Satz  nieder:  ,Das  Bewusstlose  mit  dem
Besonnenen  vereinigt,  macht  den  poetischen  Künstler  aus'.
Diese  Worte  lauten  beinahe,  als  ob  Schiller  mit  Schelling
einverstanden  gewesen  wäre.  ,Vereinigung'  des  Bewusstlosen
mit  dem  Besonnenen  scheint  für  den  ersten  Anblick  beinahe
dasselbe  zu  sein,  wie  ,Identität  der  bewussten  und  unbewussten
Thätigkeit'.  Aber  es  liegt  eine  Welt  dazwischen.  In  der  ,Vereinigung' ­
  arbeiten  bewusstlose  und  besonnene  Thätigkeit  für
denselben  Zweck  und  in  paralleler  Richtung,  aber  sie  sind
und  bleiben  verschiedene  Thätigkeiten.  In  der  Identität
werden  sie  als  eine  und  dieselbe  gesetzt  und  heben  als
entgegengesetzte  einander  gegenseitig  auf.  Schiller  spricht
als  Kantianer  von  einer  harmonischen  Einigung  verschiedener,
Schelling  als  Identitätsphilosoph  von  der  in  sich  widersprechenden
und  daher  unmöglichen  Einheit  entgegengesetzter  Thätigkeiten.
Schelling’s  ,ästhetisches  Vorurtheil'  ist  sein  ausschliessliches
Eigenthum.
            
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