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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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Zimmer  mann.

das  Drama  der  Alten,  dessen  ,Caricatur'  die  Oper  ist,  als
ideales  ,innerliches'  Drama  der  Gottesdienst  dar.  Das
System  ist  geschlossen.

Das  Gesammturtheil,  das  ich  in  meiner  Geschichte  der
Aesthetik  über  die  Ansichten  Schelling’s  vom  Schönen  und  der
Kunst  gefällt,  bietet  mir  dessen  ausführlichstes  Werk  über  Philosophie ­
  der  Kunst  keine  Veranlassung  zu  ändern.  Nach  wie  vor
bin  ich  der  Meinung,  dass  der  Schwerpunkt  der  Schelling’schen
Kunstphilosophie  ganz  irgend  wo  anders  zu  suchen  sei  als  in
der  Kunst.  Wer,  wie  Schelling,  die  Kunst  in  die  Nachahmung
des  Göttlichen  oder  des  allein  wahrhaft  Seien  den  setzt,  der
beweist,  dass  es  ihm  nicht  wie  dem  Künstler  um  das  Schöne,
sondern  wie  dem  Theologen  und  Metaphysiker  um  Gott  und
das  Seiende  zu  thun  sei.  Auch  Lotze,  obgleich  ,mit  ganzem
Herzen',  wie  er  sagt  (G.  d.  A.  S.  148),  dasjenige  festhaltend,  was
ich  (mit  Danzel)  an  Schelling’s  Aesthetik  tadle,  kann  sich
nicht  enthalten  zu  fragen  (vgl.  S.  1 N 37),  wie  wir  das  Schöne  von  dem
schlechthin  Seienden  unterscheiden  sollen,  wenn  in  der  Identität
des  Realen  und  Idealen  jenes  wie  dieses  gleichlautend  besteht?
Wie  Platon  bleibt  Schelling,  wie  Lotze  einräumt,  in  Bezug  auf  die
endlichen  Dinge  nichts  übrig,  als  zu  sagen,  dass  ihre  Urbilder
alle  (auch  jene,  die  der  parmenideische  Sokrates  als  Gegenbeweis
anführt)  wie  absolut  wahr,  so  auch  absolut  schön  seien;  eine
Grenze  zwischen  dem  Schönen  und  Seienden  gibt  es  nicht.
Der  Rath,  den  Schelling  in  seiner  berühmten  Rede  der
bildenden  Kunst  ertheilt,  nur  ,das  in  der  Natur  in  der  That
Seiende'  nachzuahmen,  zeigt,  dass  er  selbst  eine  Scheu  davor
trug,  das  ,Seiende'  schlechthin  nachahmungswürdig  zu  finden.
Entweder  ist  alles  Seiende  nachahmungswerth,  weil  es  Seiendes
ist,  oder  es  muss  einen  Grund  geben,  welcher  das  eine  der
Nachahmung  durch  die  Kunst  würdig  macht,  das  andere  nicht.
Dieser  darf  aber  nicht  selbst  wieder  im  Sein  gesucht  werden,
weil  wir  uns  sonst  ohne  Ende  im  Cirkel  bewegen  würden.
Das  Urtheil  über  Schönheit  muss  unabhängig  vom  Seienden
gefällt  werden.  Nicht  was  ist,  entscheidet  darüber,  sondern  was
unbedingt  gefällt.  Eine  platonisirende  Aesthetik,  wie  die
            
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