Sclielling’s Philosophie der Kunst.
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kommenste Poesie, die Vollendung der Wissenschaft mit dem
Ursprünge des absoluten Lehrgedichtes oder des speculativen
Epos eines und dasselbe sein. Es ist die schönste und letzte
Bestimmung- der Wissenschaft, wie sie zuerst von der Poesie
ausging, in diesen Ocean zurückzufliessen. (S. 667.)
Die poetische Zwillingsschwester der speculativen Physik
(Naturphilosophie), die speculative Epik (das Naturepos) war
philosophisch construirt; im zweiten Hefte der Zeitschrift für
speculative Physik gab Schelling als Probe das Bruchstück
eines solchen. Die Wissenschaft wurde durch Schelling in Poesie
,aufgelöst'; Baumgarten hatte der Poesie den Rath gegeben,
sich durch Darstellung der ,besten Welt' in Philosophie zu
verwandeln. Das Universum war jenem ,die Poesie des Absoluten';
diesem die Darstellung der besten Welt allein wahre
Poesie. Jener hatte das Schaffen, dieser das Nachahmen
der Gotteswelt, beide hatten als Urbild der Kunst nur die
letztere im Auge.
Die Construction des Dramas bietet nichts Eigentümliches
dar. Das Wesentliche der Tragödie ist ein wirklicher
Streit der Freiheit im Subject und der Notwendigkeit als
objectiver, welcher nicht damit endet, dass das eine oder andere
unterliegt, sondern dass beide siegend und besiegt zugleich in
der vollkommenen Indifferenz erscheinen. Durch die Umkehrung
derselben entspringt die Komödie, bei welcher die Freiheit das
Objective und die Notwendigkeit das Subjective ist. Aus
der Mischung des Komischen und Tragischen, welche hier an
die Stelle der Indifferenz tritt, geht das ,moderne Drama'
hervor.
Mit der Construction des Dramas ist die der Kunst in
der idealen, wie mit jener der Plastik die der Kunst in der
realen Reihe vollendet. Die bildende Kunst kann sich nicht
weiter bilden, sondern muss zur redenden zurückstreben und
dadurch eine Sphäre neuer Künste erzeugen, die sich zu den
bisher genannten als ,secundäre‘ verhalten. Durch das ,Zurückgehen'
der Poesie auf Musik, Malerei, Plastik entstehen nach
einander Gesang, Tanz (als lebendiges Gemälde), Schauspielkunst
(als lebendige Plastik). Die vollkommenste Vereinigung
von Poesie und Musik durch Gesang, von Poesie und Malerei
durch Tanz, stellt selbst wieder synthesirt, als reales Drama
Sitzungsber. d. pliil.-liist. CI. LXXX. Bd. IV. Hft. 44