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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Sclielling’s  Philosophie  der  Kunst.

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kommenste  Poesie,  die  Vollendung  der  Wissenschaft  mit  dem
Ursprünge  des  absoluten  Lehrgedichtes  oder  des  speculativen
Epos  eines  und  dasselbe  sein.  Es  ist  die  schönste  und  letzte
Bestimmung-  der  Wissenschaft,  wie  sie  zuerst  von  der  Poesie
ausging,  in  diesen  Ocean  zurückzufliessen.  (S.  667.)
Die  poetische  Zwillingsschwester  der  speculativen  Physik
(Naturphilosophie),  die  speculative  Epik  (das  Naturepos)  war
philosophisch  construirt;  im  zweiten  Hefte  der  Zeitschrift  für
speculative  Physik  gab  Schelling  als  Probe  das  Bruchstück
eines  solchen.  Die  Wissenschaft  wurde  durch  Schelling  in  Poesie
,aufgelöst';  Baumgarten  hatte  der  Poesie  den  Rath  gegeben,
sich  durch  Darstellung  der  ,besten  Welt'  in  Philosophie  zu
verwandeln.  Das  Universum  war  jenem  ,die  Poesie  des  Absoluten'; ­
  diesem  die  Darstellung  der  besten  Welt  allein  wahre
Poesie.  Jener  hatte  das  Schaffen,  dieser  das  Nachahmen
der  Gotteswelt,  beide  hatten  als  Urbild  der  Kunst  nur  die
letztere  im  Auge.
Die  Construction  des  Dramas  bietet  nichts  Eigentümliches ­
  dar.  Das  Wesentliche  der  Tragödie  ist  ein  wirklicher
Streit  der  Freiheit  im  Subject  und  der  Notwendigkeit  als
objectiver,  welcher  nicht  damit  endet,  dass  das  eine  oder  andere
unterliegt,  sondern  dass  beide  siegend  und  besiegt  zugleich  in
der  vollkommenen  Indifferenz  erscheinen.  Durch  die  Umkehrung
derselben  entspringt  die  Komödie,  bei  welcher  die  Freiheit  das
Objective  und  die  Notwendigkeit  das  Subjective  ist.  Aus
der  Mischung  des  Komischen  und  Tragischen,  welche  hier  an
die  Stelle  der  Indifferenz  tritt,  geht  das  ,moderne  Drama'
hervor.
Mit  der  Construction  des  Dramas  ist  die  der  Kunst  in
der  idealen,  wie  mit  jener  der  Plastik  die  der  Kunst  in  der
realen  Reihe  vollendet.  Die  bildende  Kunst  kann  sich  nicht
weiter  bilden,  sondern  muss  zur  redenden  zurückstreben  und
dadurch  eine  Sphäre  neuer  Künste  erzeugen,  die  sich  zu  den
bisher  genannten  als  ,secundäre‘  verhalten.  Durch  das  ,Zurückgehen' ­
  der  Poesie  auf  Musik,  Malerei,  Plastik  entstehen  nach
einander  Gesang,  Tanz  (als  lebendiges  Gemälde),  Schauspielkunst ­
  (als  lebendige  Plastik).  Die  vollkommenste  Vereinigung
von  Poesie  und  Musik  durch  Gesang,  von  Poesie  und  Malerei
durch  Tanz,  stellt  selbst  wieder  synthesirt,  als  reales  Drama
Sitzungsber.  d.  pliil.-liist.  CI.  LXXX.  Bd.  IV.  Hft.  44
            
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