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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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Z  i  m  m  erman  n.

von  Halikaniass,  die  auch  Schelling  anführt,  der  als  das  auszeichnende ­
  Merkmal  des  Epos  angibt,  dass  der  Dichter  nicht
erscheine,  scheint  mir  das  Richtige  zu  treffen.  Dieses  einzige
Merkmal  weist  sowohl  Elegie  als  Satyre  aus  dem  epischen  Bereiche, ­
  während  dasselbe  Idyll  und  Lehrgedicht  zulässt.  Gerade
die  von  Schelling  angeführten  Römischen  Elegien  Goethe’s  sind
vollgiltiger  Beweis.  Geschichtlich  ist  die  Elegie  allerdings,
denn  sie  blickt  in  die  Vergangenheit  zurück,  aber  episch  ist
sie  nicht,  denn  der  Dichter  ,erscheint'  darin.
Im  Idyll  und  im  Lehrgedichte  kann  der  Dichter  sich  fernhalten. ­
  Jenes  ist  wirklich  ein  ,Gemälde',  wie  auch  Schelling
sagt.  Es  stellt  seinen  Gegenstand,  er  gehöre  der  Vergangenheit, ­
  der  Gegenwart  oder  der  Zukunft  an,  stets  als  gegenwärtig, ­
  das  Epos  stellt  das  Vergangene  stets  als  vergangen  dar.
Schelling  findet  ,das  Idyll  neige  notbwendigerweise'  zum  Dramatischen ­
  hin,  ohne  dafür  einen  Grund  anzugeben.  Die  Bemerkung ­
  ist  richtig  und  das  Obige  ist  ihr  Grund.
Wie  das  Idyll  objectiv,  steht  das  Lehrgedicht  subjectiv
nach  obigem  Schema  dem  Epos  am  fernsten,  angeblich  deshalb,
weil  es  ,einen  bestimmten',  das  Epos  keinen  Zweck  hat.  Aus
diesem  Grunde  wird  es  mit  der  Satyre  zusammengestellt,  die
sich,  wie  jenes  auf  das  Wissen,  so  auf  das  Handeln  beziehen
soll.  Dasselbe  nimmt  im  Epos  die  Stelle  des  Wissens  im  idealen
All  ein,  gleichsam  als  Durchbruch  des  Wissens  in  der  poetischen
Kunstform.  Ist  ja  die  Kunst  doch  nach  Schelling  objectiv,  was
die  Philosophie  subjectiv,  ideales  All  in  der  objectiven,  wie
diese  dasselbe  in  der  subjectiven  Indifferenz,  und  steht  zwischen
Wissen  und  Handeln  mitten  drinnen,  wie  die  epische  zwischen
lyrischer  und  dramatischer  Poesie.  Das  Lehrgedicht  ist  das
Wissen  als  epische  Poesie,  wie  die  Wissenschaft  Epos  auf  die
Wissenspotenz  versetzt.  Bei  dem  durchaus  abbildlichen  Charakter ­
  der  Kunst,  als  Darstellung  des  Absoluten  können  Wissen
und  Lehrgedicht  nicht  dem  urbildlichen  Gehalte,  nur  der  Potenz
nach  verschieden  sein.
Daher  sagt  Schelling  geradezu:  im  Wissen  für  sich  liege
die  Möglichkeit,  als  Form  der  Poesie  einzutreten.  Das  Wissen
für  sich  ist  ein  Bild  des  All;  die  Poesie  (wie  alle  Kunst)  ist
es  ebenfalls.  Diejenige  Wissenschaft,  welche  das  vollkommenste
Bild  des  Universums  darstellte,  müsste  daher  auch  die  voll-
            
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