Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Schelling’s  Philosophie  der  Kunst.

667

ob  sie  in  diesem  bereits  ,präformirt'  lägen.  ,Die  Arcliitektur
stellt  das  Anorgische  als  Allegorie  des  Organischen  dar'  (S.  581).
Da  nun  der  Organismus  /.xx’  icoyr,'/  der  thierische  und  in  diesem
wieder  der  menschliche  ist,  zu  diesem  aber  der  Organismus
der  Pflanze  sich  als  Allegorie  verhält,  so  stellt  die  Architektur
als  allegorische  Darstellung  des  Organismus  letzteren  durch  die
Pflanze  als  seine  Allegorie  vor  (§.  112,  S.  583).  Als  Beweis
dient  die  ,gothische'  Baukunst,  deren  Thürme  ,Bäumen',  deren
Kreuzgänge  ,Baumalleen'  gleichen  sollen.  Als  ,anorgische  Kunstform' ­
  wird  die  Architektur  die  ,Musik  in  der  Plastik'  genannt
und  so  Fr.  Schlegel’s  ,erstarrte  Musik"'  philosophisch  construirt.
Zugleich  werden  die  drei  griechischen  Säulenordnungen  unter
einander  wie  Rhythmus  (dorische),  Harmonie  (jonische)  und
Melodie  (korinthische)  verglichen.
Der  Ordnung  der  Methode  nach  folgt  nun  diejenige  Plastik,
welche  den  Organismus  ,organisch',  als  ideale  Einheit  und  doch
körperlich  ausdrückt.  Diese  ist  das  Basrelief,  ,die  Malerei  in
der  Plastik',  das  seine  Gegenstände  zwar  körperlich,  aber  doch
nur  ,dem  Scheine  nach'  und  (wie  die  Malerei)  unter  Zugabe
des  räumlichen  Hintergrundes  darstellt.  Den  höchsten  Grad
der  Plastik  (die  ,Plastik  in  der  Plastik')  aber  bezeichnet  die
Skulptur,  die  den  Organismus  durch  ,organische,  von  allen
Seiten  unabhängige,  also  absolute  Gegenstände',  als  ,unmittelbaren ­
  Ausdruck  der  Vernunft  vorzugsweise  durch  die  menschliche ­
  Gestalt  ausdrückt'.  (S.  602.)
Wie  die  bildende  Kunst  das  reale,  so  stellt  die  redende
Kunst  das  ideale  All  real,  und  zwar  sowohl  dessen  reale  (Wissen),
als  ideale  (Handeln)  und  realideale  Einheit  (Kunst)  durch  ihr
Symbol,  die  Sprache,  wie  jene  durch  das  ihrige,  die  Materie,
dar.  Sprache  und  Materie  schliessen  jede  abermals  eine  reale,
ideale  und  idealreale  Einheit  in  sich,  und  wie  oben  die  reale
Einheit  des  Alls  durch  die  reale  Einheit  der  Materie,  so  wird
auch  hier  wieder  am  schicklichsten  jede  Einheit  des  idealen
Alls  durch  die  gleichnamige  des  Symbols,  der  Sprache,  symbolisirt.
  Da  nun  die  Sprache  (nach  Scheliing)  ,absoluter  Erkenntnissact'
  (S.  483)  ist,  so  schliesst  sie  auch  sämmtliche  Potenzen  des
Erkennens,  die  Stufen  der  Reflexion,  Subsumtion  und  der  Vernunft ­
  in  sich,  welche  sich  innerhalb  ihrer  wie  reale,  ideale  und
idealreale  Einheit  verhalten.  Die  reale  Einheit  des  idealen  Alls,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.