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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Zimmerm  ann,

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Charakteristisch  für  den  Glauben,  den  Schelling  an  die  Untrüglichkeit
  seiner  Methode,  und  den  man  in  Weimar  und  Jena  damals
an  die  absolute  Vollkommenheit  der  Alten  hatte,  ist  die  Art,
wie  sich  dieser  über  die  mangelnde  Erfahrung  von  der  Schönheit ­
  bloss  ,rhythmischer'  Musik  beruhigt:  da  die  Griechen,
heisst  es  S.  497,  in  allen  Künsten  gross  waren,  so  waren  sie
es  ,gewiss'  auch  in  der  Musik  !
Durch  die  Voranstellung  des  Helldunkels  als  ,der  Malerei
in  der  Malerei'  (S.  519),  hat  Schelling  die  bekannte  Vorliebe
der  Romantiker  für  Correggio  philosophisch  construirt.  Wörtlich
genommen  wäre  das  Malen  der  Malerei  so  unwesentlich,  wie
der  Tonkunst  das  Tönen.  An  anderem  Orte  sagt  er  ausdrücklich, ­
  die  Malerei  sei  ,nur  durch  die  Farbe'  Malerei,  wie  sie
durch  die  Zeichnung  ,Kunst'  sei.  Da  jedoch  die  Zeichnung
,der  Rhythmus  der  Malerei'  (S.  520)  genannt  wird,  welcher
,in  der  Musik  die  Musik'  ist,  so  ist  was  in  der  Malerei  die
,Kunst'  ist,  in  der  Musik  diese  selbst,  und  der  Ton  macht  die
Musik  nicht  zur  Tonkunst,  wie  die  Farbe  die  Malerei  zur
Malerei.  Die  ,wortlose'  Kunst  (die  ,in  der  Absolutheit  gedacht' ­
  nur  Rhythmus  ist;  Zusatz  zu  §.  81,  S.  496)  droht  auch
,tonlose'  zu  werden.
Schelling’s  Naturphilosophie,  welche  das  Licht  als  ideale
Einheit  betrachtete,  schloss  Newton’s  Optik  von  selbst  aus,
vertrug  sich  dagegen  vollkommen  mit  der  Goethe’schen  Farbenlehre. ­
  Jene  schien  dem  Vortragenden  im  Winter  1802/3  durch
die  ,höhere  Ansicht  der  Natur  des  Lichts'  selbst  genug  widerlegt, ­
  so  dass  er  kein  Wort  zur  Widerlegung  hinzuzufügen  nöthig
fand;  Goethe’s  ,neue  Ansichten  dieser  Lehre'  hatte  dieser  ihm
gelegentlich  selbst  vörgetragen  (Schiller’s  und  Goethe’s  Briefw.
II.  S.  138).  Schelling  sah  in  ihnen  ,die  innigste  Harmonie  zwischen
Natur  und  Kunst',  anstatt  dass  in  der  Newton’schen  schlechthin
kein  Mittel  lag,  die  Theorie  mit  der  Praxis  des  Künstlers  zu
verbinden.
Die  drei  Zweige  der  Plastik,  deren  erster  den  Organismus
durch  das  Anorgische,  der  zweite  durch  das  Organische  des
Stoffs,  der  dritte  durch  den  Stoff  selbst  darstellt,  bezeichnet
Schelling  als  Architektur,  Basreliefkunst  und  Skulptur.  Soll
erstere  Darstellungsweise  gelingen,  so  müssen  die  Formen  des
Organismus  durch  das  Anorgische  so  dargestellt  werden,  als
            
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