Sclielling’s Philosophie der Kunst.
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Da die vollkommenste Symbolik nothwendig dort eintreten
muss, wo Gleiches durch Gleiches symbolisirt wird, so
erklärt es sich erstens, dass die Materie als reale Einheit des
realen Alls ihre vollkommenste Darstellung nicht durch die
redende, sondern durch die bildende Kunst findet. Zweitens,
dass in der Musik der Rhythmus, in der Malerei das Helldunkel,
in der Plastik die Skulptur den höchsten Rang einnimmt.
Die Materie als reale Einheit des Alls, wird am vollkommensten
durch die reale Einheit des Klanges, welche der
Rhythmus ist, das (kosmische) Licht als ideale Einheit (Seele)
des Alls am vollkommensten durch die ideale Einheit des Lichts,
welches das Helldunkel ist, der Organismus als idealreale Einheit
des Alls am vollkommensten durch den von allen Seiten freistehenden
Körper (die idealreale Einheit des Stoffs) symbolisirt.
Harmonie und Melodie sinken zu untergeordneten Elementen
der Musik, Zeichnung und Colorit zu ebensolchen der Malerei
herab. Bauwerk und Basrelief stehen der Bildhauerei ,aus
dem Runden' nach.
Am 8. Juli 1802 erbat sich Schelling, welcher im nächsten
Winter zum erstenmale Vorträge über Aesthetik zu halten
dachte, von seinem Vater Rousseau’s Dictionnaire de Musique,
welchen er ,sehr zu haben wünsche'. (Aus Schelling’s Leben,
I. 373.) Aus diesem Werke (,noch immer dem gedachtesten
über diese Kunst', heisst es: Philosophie der Kunst S. 497)
hatte er gelernt, ,wie wenig wir daran denken können, eine
antike Musik auch nur einigermassen durch Aufführung anschaulich
zu machen.' Da nun, wie auf der vorhergehenden
Seite zu lesen, die ,rhythmische', d. h. diejenige Musik, in
welcher dem Rhythmus, der ,herrschenden Potenz in der Musik',
Modulation und Melodie untergeordnet sind, die griechische ist,
so können wir von einer solchen uns eigentlich keinen Begriff
machen. Gleichwohl soll sie die vollkommenste sein; die ,nie
irrende' Methode fordert es so. Der Rhythmus ist ,die Musik
in der Musik' (Zusatz zu §. 79, S. 494). Nicht nur haben
die Alten durchaus dem Rhythmus die grösste ästhetische
Kraft zugeschrieben, sondern ,schwerlich wird jemand leugnen,
dass alles, was man in Musik oder Tanz u. s. w. wahrhaft
schön nennen kann, eigentlich von dem Rhythmus herrühre'
(S. 492), als ob der Ton in der Tonkunst die Nebensache wäre!