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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Sclielling’s  Philosophie  der  Kunst.

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Da  die  vollkommenste  Symbolik  nothwendig  dort  eintreten
  muss,  wo  Gleiches  durch  Gleiches  symbolisirt  wird,  so
erklärt  es  sich  erstens,  dass  die  Materie  als  reale  Einheit  des
realen  Alls  ihre  vollkommenste  Darstellung  nicht  durch  die
redende,  sondern  durch  die  bildende  Kunst  findet.  Zweitens,
dass  in  der  Musik  der  Rhythmus,  in  der  Malerei  das  Helldunkel, ­
  in  der  Plastik  die  Skulptur  den  höchsten  Rang  einnimmt. ­
  Die  Materie  als  reale  Einheit  des  Alls,  wird  am  vollkommensten ­
  durch  die  reale  Einheit  des  Klanges,  welche  der
Rhythmus  ist,  das  (kosmische)  Licht  als  ideale  Einheit  (Seele)
des  Alls  am  vollkommensten  durch  die  ideale  Einheit  des  Lichts,
welches  das  Helldunkel  ist,  der  Organismus  als  idealreale  Einheit ­
  des  Alls  am  vollkommensten  durch  den  von  allen  Seiten  freistehenden ­
  Körper  (die  idealreale  Einheit  des  Stoffs)  symbolisirt.
Harmonie  und  Melodie  sinken  zu  untergeordneten  Elementen
der  Musik,  Zeichnung  und  Colorit  zu  ebensolchen  der  Malerei
herab.  Bauwerk  und  Basrelief  stehen  der  Bildhauerei  ,aus
dem  Runden'  nach.
Am  8.  Juli  1802  erbat  sich  Schelling,  welcher  im  nächsten
Winter  zum  erstenmale  Vorträge  über  Aesthetik  zu  halten
dachte,  von  seinem  Vater  Rousseau’s  Dictionnaire  de  Musique,
welchen  er  ,sehr  zu  haben  wünsche'.  (Aus  Schelling’s  Leben,
I.  373.)  Aus  diesem  Werke  (,noch  immer  dem  gedachtesten
über  diese  Kunst',  heisst  es:  Philosophie  der  Kunst  S.  497)
hatte  er  gelernt,  ,wie  wenig  wir  daran  denken  können,  eine
antike  Musik  auch  nur  einigermassen  durch  Aufführung  anschaulich ­
  zu  machen.'  Da  nun,  wie  auf  der  vorhergehenden
Seite  zu  lesen,  die  ,rhythmische',  d.  h.  diejenige  Musik,  in
welcher  dem  Rhythmus,  der  ,herrschenden  Potenz  in  der  Musik',
Modulation  und  Melodie  untergeordnet  sind,  die  griechische  ist,
so  können  wir  von  einer  solchen  uns  eigentlich  keinen  Begriff
machen.  Gleichwohl  soll  sie  die  vollkommenste  sein;  die  ,nie
irrende'  Methode  fordert  es  so.  Der  Rhythmus  ist  ,die  Musik
in  der  Musik'  (Zusatz  zu  §.  79,  S.  494).  Nicht  nur  haben
die  Alten  durchaus  dem  Rhythmus  die  grösste  ästhetische
Kraft  zugeschrieben,  sondern  ,schwerlich  wird  jemand  leugnen,
dass  alles,  was  man  in  Musik  oder  Tanz  u.  s.  w.  wahrhaft
schön  nennen  kann,  eigentlich  von  dem  Rhythmus  herrühre'
(S.  492),  als  ob  der  Ton  in  der  Tonkunst  die  Nebensache  wäre!
            
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