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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Sclielling’s  Philosophie  der  Kunst.  661
.götter';  die  neue  Mythologie  kann  (nach  der  ,nie  irrenden'
Constructionsmethode)  nur  darin  bestehen,  ,dass  die  idealistischen
Gottheiten  in  die  Natur  gepflanzt  werden,  wie  die  Griechen
ihre  realistischen  in  die  Geschichte  pflanzten';  die  ,erste  ferne
Anlage  jener  künftigen  Symbolik'  habe  nach  seiner  Ueberzeugung
  er  selbst  ,in  der  Naturphilosophie'  gemacht.
Wie  die  ,Götterwelt'  den  Stoff,  so  bestimmt  das  ,Göttliche
im  Menschen',  der  Genius,  die  Form  der  Kunst.  Das  Genie
ist  ,ein  Stück  aus  der  Absolutheit  Gottes'.  Dasselbe  real  betrachtet ­
  als  ,Einbildung  des  Unendlichen  ins  Endliche'  ist
,Poesie',  ideal  betrachtet,  als  ,Einbildung  des  Endlichen  ins
Unendliche'  dagegen  die  ,Kunst  in  der  Kunst'.  Jene  drückt
sich  am  Kunstwerke  als  ,Erhabenheit',  diese  als  ,Schönheit'  aus,
von  denen  jedes  ,in  seiner  Absolutheit'  das  andere  begreift,
ln  der  Poesie  für  sich  betrachtet,  kehrt  derselbe  Gegensatz
als  ,Naives  und  Sentimentales',  in  der  Kunst  für  sich  betrachtet,
als  ,Stil  und  Manier'  wieder.  Poesie  und  Kunst  ,in  ihrer  Absolutheit' ­
  sind  weder  das  eine  noch  das  andere.
Ebensowenig  ist  das  Genie  ,iu  seiner  Absolutheit'  etwas
anderes  als  ,die  Indifferenz  aller  möglichen  Gegensätze'.  Als
,unmittelbarer  Ausfluss  des  Ewigen'  muss  es  wie  dieses  ,den
Ideen,  die  in  ihm  sind,  eine  von  ihrem  Principe  unabhängige
Existenz  dadurch  vergönnen,  dass  es  sie  als  die  Begriffe  einzelner ­
  wirklicher  Dinge  existiren  lässt,  sie  in  Leiber  gestaltet'.
Wie  die  Philosophie  die  Erscheinung  der  Ideen  (im  Absoluten)
durch  besondere  Dinge,  so  hat  die  Kunstphilosophie  den  .Uebergang
  der  ästhetischen  Ideen  (im  Genie)  in  das  concrete  Kunstwerk' ­
  zu  begreifen.  Derselbe  erfolgt,  indem  die  ästhetische
Idee  entweder  als  Einbildung  des  Unendlichen  ins  Endliche
die  Materie,  oder  als  Einbildung  des  Endlichen  ins  Unendliche
die  Sprache  zum  ,Leib'  d.  i.  zu  ihrem  ,Symbol'  macht.  Jenes
ergibt  als  reale  Seite  der  Kunstwelt  die  bildende,  dieses  als
deren  ideale  Seite  die  redende  Kunst.
Es  ist  schon  oben  erwähnt  worden,  dass  Schelling  die
,Musik'  zu  der  ,bildenden  Kunst'  rechnet.  Auch  an  dieser
Stelle  (S.  413)  räumt  er  ein,  dass  die  Meisten,  z.  B.  Kant,  ihr
eine  ,besondere  Stelle  anweisen'.  Seiner  Meinung  nach  thun
sie  das  nur,  weil  sie  den  Gegensatz  der  redenden  und  bildenden
Kunst  für  einen  ,absoluten'  halten.  Die  Identitätsphilosophie
            
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