Sclielling’s Philosophie der Kunst. 661
.götter'; die neue Mythologie kann (nach der ,nie irrenden'
Constructionsmethode) nur darin bestehen, ,dass die idealistischen
Gottheiten in die Natur gepflanzt werden, wie die Griechen
ihre realistischen in die Geschichte pflanzten'; die ,erste ferne
Anlage jener künftigen Symbolik' habe nach seiner Ueberzeugung
er selbst ,in der Naturphilosophie' gemacht.
Wie die ,Götterwelt' den Stoff, so bestimmt das ,Göttliche
im Menschen', der Genius, die Form der Kunst. Das Genie
ist ,ein Stück aus der Absolutheit Gottes'. Dasselbe real betrachtet
als ,Einbildung des Unendlichen ins Endliche' ist
,Poesie', ideal betrachtet, als ,Einbildung des Endlichen ins
Unendliche' dagegen die ,Kunst in der Kunst'. Jene drückt
sich am Kunstwerke als ,Erhabenheit', diese als ,Schönheit' aus,
von denen jedes ,in seiner Absolutheit' das andere begreift,
ln der Poesie für sich betrachtet, kehrt derselbe Gegensatz
als ,Naives und Sentimentales', in der Kunst für sich betrachtet,
als ,Stil und Manier' wieder. Poesie und Kunst ,in ihrer Absolutheit'
sind weder das eine noch das andere.
Ebensowenig ist das Genie ,iu seiner Absolutheit' etwas
anderes als ,die Indifferenz aller möglichen Gegensätze'. Als
,unmittelbarer Ausfluss des Ewigen' muss es wie dieses ,den
Ideen, die in ihm sind, eine von ihrem Principe unabhängige
Existenz dadurch vergönnen, dass es sie als die Begriffe einzelner
wirklicher Dinge existiren lässt, sie in Leiber gestaltet'.
Wie die Philosophie die Erscheinung der Ideen (im Absoluten)
durch besondere Dinge, so hat die Kunstphilosophie den .Uebergang
der ästhetischen Ideen (im Genie) in das concrete Kunstwerk'
zu begreifen. Derselbe erfolgt, indem die ästhetische
Idee entweder als Einbildung des Unendlichen ins Endliche
die Materie, oder als Einbildung des Endlichen ins Unendliche
die Sprache zum ,Leib' d. i. zu ihrem ,Symbol' macht. Jenes
ergibt als reale Seite der Kunstwelt die bildende, dieses als
deren ideale Seite die redende Kunst.
Es ist schon oben erwähnt worden, dass Schelling die
,Musik' zu der ,bildenden Kunst' rechnet. Auch an dieser
Stelle (S. 413) räumt er ein, dass die Meisten, z. B. Kant, ihr
eine ,besondere Stelle anweisen'. Seiner Meinung nach thun
sie das nur, weil sie den Gegensatz der redenden und bildenden
Kunst für einen ,absoluten' halten. Die Identitätsphilosophie