Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Schelling’s  Philosophie  der  Kunst.

659

Ideen  und  Ideale  unterscheiden  sich  vom  Standpunkte  der
Identitätsphilosophie  nur  wie  Ideales  und  Reales  im  Idealen;
Weltseele  und  beseelte  Welten  wie  Reales  und  Ideales  im
Realen.  Dem  besonderen  Gott'  im  Idealen  entspricht  eine
beseelte  Welt'  im  Realen,  dem  Kriegsgotte  Mars  der  Planet,
der  eben  deshalb  seinen  Namen  trägt.  An  die  Stelle  der
Ueber-  und  Unterordnung  so  wie  der  Abfolge  der  Ideen  in
der  Ideen-,  tritt  die  Hierarchie  der  Obern  und  Untern  so  wie
die  Zeugung  der  Götter  in  der  Götterwelt.  Diesem  Verhältniss
im  idealen  All  correspondirt  der  innere  Zusammenhang  der  Vernunft ­
  (die  Struktur  der  Weltseele),  die  stufenweise  Gliederung
und  die  Generation  der  Organismen  (die  Harmonie  der  beseelten
Welten)  im  realen  All.
In  alledem  ist  nichts,  was  der  Kunst  nicht  mit  der
Philosophie  gemeinsam  wäre,  als  die  Objectivität.  Darstellung
des  Absoluten  mit  absoluter  Indifferenz  des  Allgemeinen  und
Besonderen  im  Allgemeinen  =  Philosophie,  im  Besonderen ­
  =  Kunst.  Bei  ihr  findet  eine  zweifache,  bei  der
philosophischen  Darstellung  eine  nur  einmalige  ,Besonderung'
statt.  Die  erste  ihr  mit  der  Philosophie  gemeinsame  besondert
das  Absolute  zur  Idee,  die  zweite,  ihr  eigene,  stellt  den  besonderten
  Gott  als  besonderen  Gott  dar.  Darstellung  in  der
Kunst  ist  daher  ,nur  symbolisch  möglich'  (§.  39,  S.  406),  da
wahre  Indifferenz  des  Allgemeinen  und  Besonderen  nur  im
Symbole  (weder  im  Schema  noch  in  der  Allegorie)  besteht
(S.  411).
Die  Gestalten  der  Mythologie  sind  Symbole.  Das  Allgemeine ­
  bedeutet  hier  weder  das  Besondere  (wie  im  Schema)
noch  das  Besondere  das  Allgemeine  (wie  in  der  Allegorie),
sondern  jedes  von  beiden  ist  das  andere.  Die  Bedeutung  ist
übergegangen  in  den  Gegenstand,  mit  ihm  eins;  sobald  wir
diese  Wesen  etwas  bedeuten  lassen,  sind  sie  nichts  mehr.
Mit  bedeutungslosem'  Sinne  zwar  ,begnügen  wir  uns  nicht';
aber  ebensowenig  mit  der  blossen  ,Bedeutung'.  Diese  wäre  Sinn
ohne  Bild,  jene  Bild  ohne  Sinn.  Das  echte  Symbol  soll  beides
zugleich,  ,so  concret  wie  das  Bild,  so  allgemein  wie  der  Begriff',
es  soll  .Sinnbild'  sein.
Schelling  rühmt  der  deutschen  Sprache  nach,  dass  sie
durch  letztgenanntes  Wort  den  fremden  Ausdruck  Symbol  vor-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.