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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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Zimmermaniü.

projicirt  werden  zu  können.  Mit  anderen  Worten,  die  ästhetische ­
  Thätigkeit  (vorausgesetzt,  dass  sie  selbst  erklärlich  sei)
erklärt  die  organische,  nicht  umgekehrt.
Das  ästhetische  Vorurtheil  bleibt  immer  dasselbe.  So  lange
die  Identität  bewusst-unbewusster  und  ästhetischer  Thätigkeit
nicht  erwiesen,  sondern  blos  angenommen  ist,  ist  weder  die
Thatsache  der  Kunst  für  die  Existenz  einer  ,bewusst-unbewussten 1
Thätigkeit,  noch  die  Existenz  der  letzteren  für  jene  der  Kunst
beweiskräftig.  Weder  folgt  aus  der  ersteren  (gegen  die  Erfahrung),
dass  obige  Thätigkeit  sei;  noch  folgt  aus  der  letzteren  (gegen
den  Sprachgebrauch),  jene  sei  die  Kunst.
Ein  geheirnnissvoller  Reiz  muss  diesen  (logisch  undenkbaren) ­
  Begriff  einer  ,bewusst-unbewussten - '  Thätigkeit  umschweben, ­
  dass  derselbe  nicht  nur  unbedenklich  als  giltig  anerkannt,
sondern  sogar  als  Begriff  des  Organons  der  Philosophie  zum
höchsten  Range  erhoben  wird!  Weder  der  Kitzel  des  Widerspruches ­
  noch  der  Zauber  des  Helldunkels  reicht  zur  Erklärung
hin;  nur  die  anhaltende  Verwechslung  der  ,Indifferenz'  mit
,harmonischer  Thätigkeit'  macht  die  Erscheinung  begreiflich.
Bewusstlose  und  bewusste  Thätigkeit  als  Eine  gedacht,  ist  ein
Unding;  beide  neben  einander  gedacht,  können  im  Einklänge
mit  einander  stehen.  Als  wohlgefällige  Harmonie  des  Verstandes ­
  und  der  Einbildungskraft  schilderte  Kant  die  ästhetische
Gemüthsstimmung.  Schelling  schob  statt  des  Einklanges  die  Einheit ­
  der  Thätigkeiten  unter.  Dadurch  verlor  diese  Gemüthsstimmung ­
  gerade  diejenige  Beschaffenheit,  worauf  ihr  Vorzug
beruhte,  statt  wohlgefälliger  Harmonie  herrschte  gleichgiltige
Indifferenz.  Nichts  destoweniger  behielt  die  so  entstellte  Gemüthslage
  nicht  nur  den  Namen,  sondern  auch  den  Anspruch
der  ästhetischen  bei,  für  eine  ,höhere'  zu  gelten;  die  ,Indifferenz'
usurpirte  den  Rang,  welcher  der  ,Harmonie'  zukam.
,Integration'  der  Materie  und  des  Lichts  im  Realen,  ,Indifferenz' ­
  des  Wissens  und  Handelns  im  Idealen,  gewannen  auf
diesem  Wege  den  Reiz  des  Aesthetisehen,  der  (im  Realen)  dem
Organischen  zu  Gute  kam.  Der  Nachhall  der  Lust,  von  der
das  Harmonische  begleitet  war,  verklärt  die  Identität,  die  an
ihre  Stelle  getreten  ist.
Eine  Kunst,  die  sich  selbst  als  ,Reflex  der  Philosophie'
bezeichnet,  muss  nothwendig  lehrhaften  Charakter  annehmen.
            
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