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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Hmmamsssi

Schelling’s  Philosophie  der  Kunst.  655
als  (sittliches)  Handeln,  von  seiner  realidealen  und  idealrealen
ins  Auge  gefasst  subjectiv  als  Philosophie,  objectiv  als  Kunst
dar.  Dieses  von  seiner  realen  Seite  angesehen  als  Materie,
von  seiner  idealen  als  Licht,  als  ,Indifferenz'  betrachtet  subjectiv ­
  als  ,Weltseele'  (Vernunft),  objectiv  als  ,beseelte  Welt'
(Organismus).  Das  Wissen  als  Reales  im  Idealen  und  die
Materie  als  Reales  im  Realen,  begreifen  jedes  selbst  eine  Vielheit ­
  in  sich,  während  ihnen  gegenüber  die  Tugend  als  Ideales  im
Idealen  und  das  Licht  als  Ideales  im  Realen  als  Einheiten  auftreten.
  Die  Vielheit  im  Wissen  sind  die  einzelnen  ,Ideen'  (die
besonderen  Wissenschaften);  die  Vielheit  in  der  Materie  dagegen
die  einzelnen  Weltkörper  (die  besonderen  Welten).  Philosophie  ist
die  Einheit  der  Wissenschaften  (im  Idealen),  wie  die  ,Weltseele'
(Vernunft)  die  Einheit  der  Welten  (im  Realen);  der  organischen
Thätigkeit  aber  als  der  gegenseitigen  Durchdringung  von  Licht
und  Materie  im  Realen,  steht  die  künstlerische  als  gegenseitige
Durchdringung  von  Wissen  und  Handeln  im  Idealen  entgegen.
So  ist  die  Kunst  Organismus  im  idealen,  wie  der  Organismus ­
  Kunst  im  realen  All.  Jene  enthält  das  ideale,  dieser
das  reale  All  in  der  ,Form  der  Indifferenz',  jene  des  Wissens
und  Handelns,  dieser  des  Stoffes  und  des  Lichtes.  Wie  die
im  All  befasste  Vielheit  real  in  der  Vielheit  organischer,  so
tritt  sie  ideal  in  der  Vielheit  ästhetischer  Producte  auf,  in
deren  jedem  das  ganze  All  ideal,  wie  in  jedem  Organismus
das  ganze  All  real  gegenwärtig  ist.  Als  solche  sind  sie  Symbole, ­
  in  der  Kunstwelt  Ideale,  in  der  organischen  Welt  beseelte ­
  Welten.
Der  durchgeführte  Parallelismus  der  künstlerischen  mit
der  organischen  Thätigkeit  trägt  nicht  dazu  bei,  jene  zur
Klarheit  zu  erheben.  Der  Organismus  entsteht,  indem  Materie
=  Sein  und  Licht  =  Thätigkeit  ,einander  integriren'  (S.  379),
,das  Sein  unmittelbar  auch  Thätigkeit,  das  Affirmirte  dem
Afürmirenden  absolut  gleich  ist'.  Die  Möglichkeit  dieses  Vorganges, ­
  die  Indifferenz  des  Subjectiven  und  Objectiven  im  Realen,
wird  selbst,  weit  entfernt  die  Indifferenz  des  Subjectiven  und
Objectiven  im  Idealen  zu  erklären,  durch  diese  erklärt;  die
Identität  der  theoretischen  und  praktischen  (bewussten  und
bewusstlosen)  Thätigkeit  muss  zuerst  im  Bewusstsein  aufgezeigt
sein,  um  von  da  in  die  zwecklos  zweckmässig  thätige  Natur
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  LXXX.  Bd.  IV.  Hft.  43
            
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