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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Schelling’s  Philosophie  der  Kunst.

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und  praktische  Philosophie,  Wissen  und  Handeln  Zusammenflüssen. ­
  Ohne  die  Existenz  einer  solchen  wäre  die  Kluft  zwischen
theoretischer  und  praktischer  Vernunft  nicht  überbrückt,  eine
gemeinsame  Wurzel  für  Wissen  und  Handeln  nicht  gefunden.
Man  kann  mit  Grund  sagen,  wenn  obige  Definition  der  ästhetischen
Thätigkeit  keine  Geltung  hat,  so  büsst  die  mühsam  hergestellte
Einheits-  und  Einerleiheitsphilosophie  den  Boden  ein.
Schelling’s  Vorstellung  von  der  Natur  der  ästhetischen
Thätigkeit  spielt  in  seinem  Philosophiren  eine  ähnliche  Rolle,  wie
Kant’s  Vorstellung  von  der  Natur  der  mathematischen  Urtheile
in  der  Kritik  der  reinen  Vernunft.  Dass  er  dieselbe  ohne
Weiteres  für  eine  ,bewusst-unbewusste'  nahm,  ist  für  sein  Philosophiren ­
  so  verhängnissvoll  geworden,  wie  für  Kant,  dass  er
mathematische  Urtheile,  im  Gegensätze  zu  Hume,  für  synthetische ­
  hielt.  Jener  wurde  dadurch  zu  dem  Glauben  verleitet,
die  gemeinsame  Wurzel  des  Subjectiven  und  Objectiven,  des
Idealen  und  Realen,  deren  Möglichkeit  Kant  in  einer  hingeworfenen ­
  Bemerkung  angedeutet,  deren  Wirklichkeit  zu  behaupten ­
  er  sich  jedoch  sorgfältig  gehütet  hatte,  in  der  Kunst  entdeckt ­
  zu  haben.  Dieser  wurde  dadurch  zu  der  Annahme  gebracht,
dass  Raum  und  Zeit  subjective  reine  Anschauungsformen  seien,
und  die  transcendentale  Aesthetik  wurde  die  Wurzel  der  Kritik.
Immerhin  hat  Kant  für  die  synthetische  Natur  der  mathematischen ­
  Urtheile  (der  arithmetischen  sowohl  wie  der  geometrischen)
einen  Beweis  versucht;  für  die  Annahme,  dass  die  ästhetische
Thätigkeit  Eins  mit  einer  ,bewusst-unbewussten'  sei,  findet  sich
bei  Schelling  nicht  der  Schatten  eines  Beweises.
Ich  habe  in  einer  früher  der  hohen  Classe  vorgelegten
Abhandlung  nach  dem  Beispiele  von  Fries,  der  die  transcendentale ­
  Deduction  als  Kant’s  transcendentales  Vorurtheil  bezeichnete,
  dessen  Vorstellung  von  der  synthetischen  Natur  der
mathematischen  Urtheile  Kant’s  mathematisches  Vorurtheil  genannt. ­
  Es  möge  mir  gestattet  sein,  obige  Meinung  Schelling’s
von  der  Natur  der  künstlerischen  Thätigkeit  dessen  ästhetisches
Vorurtheil  zu  heissen.  Dasselbe  verdient,  da  es  als  Urtheil
ohne  jeden  Beweis  erscheint,  noch  in  höherem  Grade  als  das
vorige  diesen  Namen.
Jenen  Begriff  der  Kunst  zugestanden,  der,  wie  gezeigt,
zu  seinem  Vorbilde  Baumgarten’s  ,dunkle  Vernunft'  hat,  wickelt
            
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