Schelling's Philosophie der Kunst.
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und bewusstlos zugleich ist. Ergo gibt es auch einen Vereinigungspunkt
zwischen theoretischer und praktischer Philosophie.
Der Schluss wäre schlagend, wenn die Prämissen es wären.
Aber der Untersatz, betreffend die Natur der ästhetischen Thätigkeit,
ist sowohl unbewiesen wie unbeweisbar. Die empirische
Psychologie kennt keine psychische Thätigkeit, die unbewusst
und bewusst in einem Athemzuge wäre; die Logik, allerdings
nur jene, die keine Widersprüche duldet, verbietet sie. An
dieser psychologischen Fiction scheitert die ganze Unternehmung.
Schelling ist sich der Wichtigkeit der ästhetischen Thätigkeit
für sein System so wohl bewusst, dass er dieselbe geradezu
das ,Organon* seiner Philosophie nennt; auch hängt in der That
seine ganze Philosophie daran. Nur mit Hilfe dieses Vereinigungspunktes,
den weder Kant noch Schiller fanden, war der Riss,
der durch die Kant’sche Philosophie ging, ausgefüllt, waren die
beiden für einander unzugänglichen Welten einer Natur- und
einer Freiheitsgesetzgebung in auf einander passende Halbkugeln
desselben Globus verwandelt; wenn die angeblich bewusst-unbewusste*
Natur der ästhetischen Thätigkeit ein Irrthum
ist, fallen sie wieder auseinander.
Der Irrthum selbst aber stammt aus der Baumgarten’schen
Aesthetik. Die vollkommene sinnliche Erkenntniss, die ,dunkle
Vernunft*, ist die Mutter der ,bewusst-bewusstlosen* Thätigkeit.
Derselbe logische Widerspruch, der in der Annahme einer
zugleich ,vollkommenen* d. i. rationalen und doch ,sinnlichen*
also empirischen Erkenntniss enthalten ist, kehrt auch in der
Annahme einer zugleich unbewussten und bewussten Thätigkeit
wieder. Wenn ein ,dunkles* Vorstellen ,Erkennen* d. i.
vernünftiges Vorstellen sein kann, warum sollte nicht ein
,dunkles* zugleich vernünftiges Schaffen sein? Der nüchterne
Aufklärer Baumgarten vermochte dem Reize nicht zu widerstehen,
hinter dem ,Dunkel* der Sinnlichkeit eine verhüllte
Vernunft zu ahnen; wie hätte der Romantiker Schelling der
Versuchung entgehen sollen, das psychologische Dunkel, das
über dem Schaffen des Künstlers schwebt, mit dem magischen
Schimmer geistigen Hellsehens zu schmücken? Baumgarten’s
dunkle Vernunft war eine Reaction gegen die Zurücksetzung
der sinnlichen von Seite der rein intellectuellen Erkenntniss;