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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Schelling's  Philosophie  der  Kunst.

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und  bewusstlos  zugleich  ist.  Ergo  gibt  es  auch  einen  Vereinigungspunkt ­
  zwischen  theoretischer  und  praktischer  Philosophie. ­

Der  Schluss  wäre  schlagend,  wenn  die  Prämissen  es  wären.
Aber  der  Untersatz,  betreffend  die  Natur  der  ästhetischen  Thätigkeit,
  ist  sowohl  unbewiesen  wie  unbeweisbar.  Die  empirische
Psychologie  kennt  keine  psychische  Thätigkeit,  die  unbewusst
und  bewusst  in  einem  Athemzuge  wäre;  die  Logik,  allerdings
nur  jene,  die  keine  Widersprüche  duldet,  verbietet  sie.  An
dieser  psychologischen  Fiction  scheitert  die  ganze  Unternehmung.
Schelling  ist  sich  der  Wichtigkeit  der  ästhetischen  Thätigkeit ­
  für  sein  System  so  wohl  bewusst,  dass  er  dieselbe  geradezu
das  ,Organon*  seiner  Philosophie  nennt;  auch  hängt  in  der  That
seine  ganze  Philosophie  daran.  Nur  mit  Hilfe  dieses  Vereinigungspunktes, ­
  den  weder  Kant  noch  Schiller  fanden,  war  der  Riss,
der  durch  die  Kant’sche  Philosophie  ging,  ausgefüllt,  waren  die
beiden  für  einander  unzugänglichen  Welten  einer  Natur-  und
einer  Freiheitsgesetzgebung  in  auf  einander  passende  Halbkugeln ­
  desselben  Globus  verwandelt;  wenn  die  angeblich  bewusst-unbewusste* ­
  Natur  der  ästhetischen  Thätigkeit  ein  Irrthum
ist,  fallen  sie  wieder  auseinander.
Der  Irrthum  selbst  aber  stammt  aus  der  Baumgarten’schen
Aesthetik.  Die  vollkommene  sinnliche  Erkenntniss,  die  ,dunkle
Vernunft*,  ist  die  Mutter  der  ,bewusst-bewusstlosen*  Thätigkeit.
Derselbe  logische  Widerspruch,  der  in  der  Annahme  einer
zugleich  ,vollkommenen*  d.  i.  rationalen  und  doch  ,sinnlichen*
also  empirischen  Erkenntniss  enthalten  ist,  kehrt  auch  in  der
Annahme  einer  zugleich  unbewussten  und  bewussten  Thätigkeit ­
  wieder.  Wenn  ein  ,dunkles*  Vorstellen  ,Erkennen*  d.  i.
vernünftiges  Vorstellen  sein  kann,  warum  sollte  nicht  ein
,dunkles*  zugleich  vernünftiges  Schaffen  sein?  Der  nüchterne
Aufklärer  Baumgarten  vermochte  dem  Reize  nicht  zu  widerstehen, ­
  hinter  dem  ,Dunkel*  der  Sinnlichkeit  eine  verhüllte
Vernunft  zu  ahnen;  wie  hätte  der  Romantiker  Schelling  der
Versuchung  entgehen  sollen,  das  psychologische  Dunkel,  das
über  dem  Schaffen  des  Künstlers  schwebt,  mit  dem  magischen
Schimmer  geistigen  Hellsehens  zu  schmücken?  Baumgarten’s
dunkle  Vernunft  war  eine  Reaction  gegen  die  Zurücksetzung
der  sinnlichen  von  Seite  der  rein  intellectuellen  Erkenntniss;
            
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