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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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Zim  m  ermann.

reellen  und  ideellen  Seite  der  Welt  eine  vorherbestimmte  Harmonie, ­
  wie  Leibnitzens  Harmonismus  eine  solche  zwischen
natürlicher  und  sittlicher  Weltordnung  nach.  Wie  nach  Leibnitz
Gott,  der  als  Baumeister  in  der  mechanischen,  als  Gesetzgeber
in  der  moralischen  Philosophie  erscheint,  in  der  harmonischen
beides  zugleich,  ein  und  derselbe  ist,  so  ist  es  nach  Schelling
dieselbe  Thätigkeit,  welche  im  Produciren  der  objectiven  Welt
ohne  Bewusstsein  productiv  (Architekt  der  Welt),  im  freien
Wollen  und  Handeln  mit  Bewusstsein  productiv  (Gesetzgeber
der  Welt)  ist.  Die  Philosophie  dieser  Thätigkeit,  welche  die
Identität  der  theoretischen  und  praktischen,  wie  die  Philosophie
Gottes,  insoferne  er  als  Architekt  und  Gesetzgeber  einer  und
derselbe  ist,  muss  nach  beiden  den  höchsten  Gesichtspunkt
einnehmen,  der  als  Philosophie  überhaupt  möglich  ist.  Leibnitz
bezeichnet  sie  als  Philosophie  der  prästabilirten  Harmonie,
Schelling  als  Philosophie  der  Kunst.
Warum  dieser  Name?  Leibnitz  drückt  mit  dem  seinigen
einen  Standpunkt  der  Betrachtung  aus,  von  welchem  aus  gesehen
die  mechanische  Natur-  und  die  moralische  Weltordnung  zusammenfallen. ­
  Schelling  will  mit  dem  seinigen  jenen  Punkt  im
thätigen  Ich  des  transcendentalen  Idealismus  markiren,  auf
welchem  bewusstloses  (blindes,  mechanisches)  und  bewusstes
(gesetzliches,  freies)  Produciren  zusammenfallen.  Zunächst
könnte  jener  wie  dieser  ein  blosses  Postulat,  die  Berechtigung
desselben  müsste  durch  eine  Thatsache  erwiesen  sein.  Leibnitz
beruft  sich  zum  Beweise  auf  die  Thatsache  des  Daseins  Gottes;
Schelling  auf  die  Thatsache  der  ästhetischen  Thätigkeit.
Auf  die  Beurtheilung  der  ersteren  haben  wir  hier  nicht
einzugehen.  Leibnitz  hat  sich  bekanntlich  in  dem  Cirkel  bewegt,
das  Dasein  der  prästabilirten  Harmonie  aus  dem  Dasein  Gottes
und  umgekehrt  dieses  aus  jenem  zu  erweisen.  Schelling’s  Beweis
dagegen  beruht  auf  der  (unbewiesenen  und  in  sich  widersprechenden) ­
  Annahme,  dass  die  ästhetische  Thätigkeit  zugleich
und  in  einem  und  demselben  Sinne  bewusst  und  bewusstlos ­
  sei.
Schelling  schliesst  nämlich  so:  gibt  es  eine  Thätigkeit,
die  bewusst  und  bewusstlos  zugleich  ist,  so  gibt  es  auch  einen
Vereinigungspunkt  der  theoretischen  und  praktischen  Philosophie.
Nun  ist  die  ästhetische  Thätigkeit  eine  solche,  welche  bewusst
            
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