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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Schelling’s  Philosophie  der  Kunst.

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diesem  um  Erkenntniss  zu  thuu.  Sehelling  war  ebenso  gut  wie
Schiller  eine  ästhetische  Natur;  die  Dissonanz  zwischen  Naturund
  moralischer  Weltauffassung,  der  Dualismus  Kant’s  war
ihm  wie  jenem  antipathiscli;  aber  er  war  zugleich  wie  Leibnitz
eine  philosophische  Natur:  ein  Harmonismus  im  Schein  als
blosse  Einbildung  statt  als  Erkenntniss  hätte  diesem  so  wenig
genügt,  wie  sie  Sehelling  befriedigte.  Wir  finden  die  Spuren
beider  in  letzterem  vereinigten  Naturen  zuerst  in  seinem  System
des  transcendentalen  Idealismus.
Der  Plan  dieses  für  Schelling’s  Entwicklungsgang  Epoche
machenden  Werkes,  weil  er  darin  zum  erstenmale  statt  einer
,besonderen  Sphäre'  die  ganze  Philosophie  behandelte,  zerfällt
in  drei  Theile.  Theoretische  Philosophie,  die  er  als  Idealismus
und  praktische  Philosophie,  die  er  als  Realismus  bezeichnet,
stehen  im  Gegensatz.  Jene  hat  zu  erklären,  wie  die  Begrenztheit, ­
  die  ursprünglich  nur  für  das  freie  Handeln  existirt,  Begrenztheit ­
  für  das  Wissen  werde.  Diese  hat  zu  erklären,  wie
die  Begrenztheit,  die  eine  bloss  subjective  ist,  objectiv  werde.
Theoretisch  verhält  sich  das  Ich,  indem  es  sich  durch  Anderes
bestimmt  findet,  praktisch,  indem  es  Anderes  durch  sich  selbst
setzt  und  Objectives  erzeugt.  Da  nun  über  der  theoretischen
Gewissheit  die  praktische,  über  der  praktischen  die  theoretische
verloren  gehe,  so  müsse  der  Widerspruch  aufgelöst  und  die
Frage  beantwortet  werden:  wie  können  die  Vorstellungen  zugleich
als  nach  den  Gegenständen  sich  richtend  und  die  Gegenstände
als  nach  den  Vorstellungen  sich  richtend  gedacht  werden?
Dieses  Problem,  welches  Sehelling  das  erste  und  höchste
der  Transcendental-Philosophie  nennt,  kann  nun  weder  in  der
theoretischen  noch  praktischen  Philosophie,  sondern  nur  in
einer  höhern  aufgelöst  werden,  welche  beides  zugleich  ist,  in
der  ,Philosophie  der  Naturzwecke  und  der  Kunst'.
Es  leuchtet  ein,  dass  sich  dieselbe  zu'  ihren  beiden  Vorgängerinnen ­
  verhält  wie  Leibnitzens  harmonische  Philosophie
zu  der  Philosophie  der  mechanischen  und  jener  der  moralischen
Weltordnung.  Die  theoretische  Philosophie,  welche  die  reelle,
und  die  praktische,  welche  die  ideelle  Seite  der  Welt  ausschliesslich ­
  behandelt,  sind  einseitig,  wie  es  die  mechanische  und  die
moralische  Weltbetrachtung  ihrerseits  gleichfalls  sind.  Die  Philosophie ­
  der  Naturzwecke  und  der  Kunst  weist  zwischen  der
            
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