642
Zimra ermann.
der Kunst kann und soll nickt die Rede sein, da dieselbe nur
,Fabeln 1 und ,Fictionen‘ zu Tage fördert. Die ,beste Welt 1 ,
das einzige würdige Object der Darstellung durch die Kunst
aber als solche ist (wenigstens in den Augen des optimistischen
Leibnitz-Wolffianers) ,weder Fabel noch Fiction 1 .
Eben so wenig das Absolute oder die absolute Identität
in den Augen Schelling’s. Das Sein und Wissen des Absoluten
steht für den Identitätsphilosophen so selbstverständlich fest, als
ob nie ein Kant gelebt und das Ding an sich für unerkennbar
erklärt hätte. Wie das Absehen des Leibnitz-Wolff sehen Dogmatismus
auf die Erklärung der Dinge aus dem einmal für feststehend
angenommenen Vorhandensein der besten Welt, so ist
jenes des Schelling’schen auf die Construction derselben aus
dem einmal als existirend vorausgesetzten Absoluten gerichtet.
Natur, Geschichte, Kunst, wie sie thatsäcklich gegeben sind,
können im Sinne des ersten nur ,Ausflüsse 1 der besten Welt,
im Sinne des zweiten nur Potenzen 1 desselben Absoluten sein;
wie dort die beste W'elt in jenen, so offenbart sich das Absolute
hier in den drei genannten Sphären nur in verschiedenen
Manifestationen.
Es ist consequent, wenn die Philosophie in ihrer vollkommenen
Erscheinung (nach Schelling) nur in der Totalität
aller Potenzen hervortreten soll. Denn sie soll ein getreues
Bild des Universums sein; dieses aber ist gleich dem Absoluten,
dargestellt in der Totalität aller ideellen Bestimmungen. Dieselbe
schliesst daher Natur-, Geschichts- und Kunstphilosophie
in sich, weil das Absolute in der Natur, Geschichte und Kunst
als in seinen verschiedenen Potenzen steht. Aber nur soferne
in jeder derselben das Absolute dargestellt wird, ist diese Darstellung
der Natur, Geschichte, Kunst wirklich Philosophie der
Natur, der Geschichte, der Kunst.
Ein getreues Bild der ,besten Welt 1 war auch das Ziel
der Leibnitz’schen Philosophie. Dieselbe geht darauf aus, in
der Monadologie zu zeigen, dass sich das Universum eben so
gut nach mechanischen Principien der wirkenden, wie nach
moralischen Prinzipien der Zweckursachen auffassen lasse, da
zwischen beiden vollkommene Uebereinstimmung herrsche. On
peut dire, heisst es §. 89, que Dieu comme architecte contente
en tout Dieu comme legislateur et qu’ainsi les peches doivent