Schelling’s Philosophie der Kunst.
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diese steht (nur) in der Natur, der Geschichte und der Kunst
in verschiedenen Potenzen. Könnte man diese hinwegnehmen,
um das reine Wesen gleichsam entblösst zu sehen, so wäre in
allem wahrhaft Eins (S. 366).
Nehmen wir den vornehm klingenden Ausdruck ,Potenzen'
weg, so enthält diese Stelle, das eigentliche Programm der
Schelling’schen Kunstphilosophie, nichts, was mit Baumgarten’s
Aestlietik, welcher die Kunst auf die Darstellung der ,besten
Welt' einschränkt, im Widerspruch stände. Natur und Geschichte
sind auch im Sinne des Leibnitz’schen Optimismus,
nichts anderes als die Verwirklichung des göttlichen Weltplanes,
d. i. der Dinge, ,wie sie in Gott sind' und ganz die
nämliche Aufgabe weist, wie oben gezeigt, Baumgarten der
Kunst zu, daher ihm die ,Fabelwelt' und die ,Fiction' der
Dichter als Unvollkommenheit erscheint. Der wahren Kunst
ebensogut wie der wirklichen Natur und der wirklichen Geschichte
ist nach Baumgarten’s Ansicht die ,beste Welt', das
Universum oder mit Schelling zu reden, das Absolute ,eingeboren',
das nur in jeder der genannten in einer anderen
Gestalt (als ,Natur, als Geschichte, als Kunst') erscheint, und
könnte man diese hinwegnehmen, um das ,reine Wesen', die
,beste Welt', gleichsam ,entblösst' zu sehen, so wären auch diese
drei in Bezug auf dasselbe wahrhaft Eins.
Es scheint kaum vermeidlich, dass diese unleugbare Verwandtschaft
dieselbe Abneigung gegen die ,Fabelwelt' der Dichter
■und die ,Fictionen' herbeiführe, wie sie bei Baumgarten hervortritt.
1 Jede Abweichung von der ,wirklichen' Welt ist in den
Augen des letzteren eine ,Verschlechterung' der Welt und er
befiehlt daher dem Künstler, sich durchaus an die Nachahmung
der besten, d. i. der wirklichen Natur zu halten. Der freie
Flug der Einbildungskraft wird durch diese Beschränkung unzweifelhaft
gehemmt und dieselbe angewiesen, sich innerhalb
der durch die einmal vorhandene beste Welt gegebenen Grenzen
zu halten. Die eigentliche Production wird der Phantasie versagt
und der vollkommenen Kunst nur die Reproduction des in
der besten Welt schon Vorhandenen gestattet. Von Erfindung in
1 Auch Lotze (Gesell, d. Aesth. S. 149) hat auf diese Aehnlichkeit hingewiesen.
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