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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Schelling’s  Philosophie  der  Kunst.

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dass  in  den  allgemeinsten  Grundsätzen  des  ersten  Urhebers  des
Namens  Aesthetik  ,wenigstens  noch  die  Spur  der  Idee  des
Schönen  als  des  in  der  concreten  und  abgebildeten  Welt  erscheinenden ­
  Urbildlichen'  gelegen  habe.  In  der  Einleitung  zu
den  Vorträgen  über  Philosophie  der  Kunst  ,begnügt'  er  sich
zur  Beurtheilung  der  Baumgarten’schen  Aesthetik  zu  erwähnen,
dass  dieselbe  ein  Sprössling  der  Wolff’schen  Philosophie  gewesen
sei.  Seitdem,  fährt  er  fort,  habe  jene  eine  immer  bestimmtere
Abhängigkeit  vom  Sittlichen  und  Nützlichen  erhalten:  so  wie
in  den  psychologischen  Theorien  ihre  Erscheinungen  ungefähr
gleich  den  Gespenstergeschichten  oder  anderem  Aberglauben
wegerklärt  werden,  bis  der  hierauf  folgende  Kantische  Formalismus ­
  zwar  eine  neue  und  höhere  Ansicht,  mit  dieser  aber  eine
Menge  kunstleerer  Kunstlehren  geboren  habe.
Man  wird  wohl  nicht  irre  gehen,  wenn  man  der  Meinung
wird,  Schelling  habe  jene  ,Spur‘  in  der  Nachahmung  der  besten
Welt,  des  harmonischen  Weltalls,  durch  die  Kunst  zu  finden
geglaubt.  Die  Kunst  ist  nach  Baumgarten  eine  Form  der  Darstellung ­
  der  besten  Welt,  die  Wissenschaft  eine  andere;  jene
stellt  dieselbe  sinnlich,  im  Bilde,  diese  geistig,  durch  abstracte
Gedanken  dar;  es  liesse  sich  auch  eine  dritte  Form  der  Darstellung ­
  denken,  durch  welche  sie  sittlich  d.  h.  durch  Handlungen
dargestellt  würde.  Zu  jeder  dieser  Darstellungsformen  eines
und  desselben  ,Urbildes'  lassen  sich  nun  besondere  Anleitungen
geben;  etwa  wie  das  Denken  dahin  gebracht  werde,  das  Universum ­
  nicht  nur  auf  die  vollkommenste  Weise  zu  denken,
sondern  auch  die  so  gewonnenen  Gedanken  aufs  zweckmässigste
unter  einander  zu  ordnen  und  zu  verbinden;  oder  wie  die
Sinnlichkeit  als  ,dunkle  Vernunft'  dahin  geleitet  werden  könnte,
die  dunkel  erkannte  Harmonie  des  Alls  durch  die  anschaulichsten
Symbole  zu  versinnlichen,  und  diese  selbst  wieder  auf  die  wirkungsvollste ­
  Weise  zur  Geltung  zu  bringen;  oder  endlich,  wie
das  Wollen  und  Handeln  zum  Abbilde  der  im  harmonischen
Weltall  herrschenden  Ordnung  und  Eintracht  erhoben  werden
könne.  Dergleichen  Anweisungen  sollen  nun  in  der  That,
Baumgarten  zufolge,  für  das  Denken  die  Logik,  für  das  sinnliche ­
  Vorstellen  die  Aesthetik  vorstellen;  für  das  Wollen  und
Handeln  würde  sich  beiden  die  Ethik  oder  praktische  Philosophie
anreihen.  Schelling  lässt  derlei  gar  nicht  für  Philosophie  gelten.
            
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