Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

636

Zi  mm  ermann.

konomene  Sinnlichkeit,  ebenso  wie  des  letzteren  vollkommene
Vernunft  im  Besitze  der  Wahrheit  ist,  jener  dieselbe  anschaulich
in  Bildern,  dieser  abstract  in  Begriffen  darstellt.  Kunst  und
Philosophie  sind  einander  daher  dem  Inhalte  nach  ebenso  verwandt, ­
  wie  der  Form  (der  Darstellung)  nach  verschieden.  Kunst
ist  die  Wahrheit  im  Bilde,  Wissenschaft  dieselbe  im  Begriff.
Damit  hängt  es  zusammen,  wenn  Baumgarten  die  Kunst
auf  die  Nachahmung  der  Natur  verweist.  Gegenstand  der  Erkenntnis ­
  ist  nach  ihm  die  Welt,  die  er  im  Einklang  mit  Leibnitz ­
  für  die  beste  unter  den  möglichen  hält.  Da  die  Kunst  aus
der  vollkommenen  Sinnlichkeit  entspringt,  so  kann  das  Object,
ihrer  Darstellung  nur  die  beste,  d.  i.  die  thatsächliche  Welt  sein.
Weicht  die  Darstellung  der  Kunst  von  der  Wirklichkeit  ab,
stellt  sie  eine  ,heterokosmische  Wahrheit'  dar,  so  muss  diese
nothwendig  unvollkommener  als  die  ,beste',  welche  wirklich
ist,  sein.  Einer  derartigen  Kunst  ist  daher  Baumgarten  abgeneigt. ­
  Eine  ,Welt  der  Dichter',  die  von  der  wirklichen  Natur
abweicht,  nennt  er  ,Unnatur'.  Jede  ,Fiction'  in  der  Kunst,  die
ja  die  ,  Wahrheit'  darstellen  soll,  ist  ihm  als  Abweichung  von
der  wirklichen  als  der  ,besten'  Welt  verhasst.  Nur  insoferne
sie  der  Wahrheit  dient,  möchte  er  sie  gestatten;  insbesondere
wo  es  sich  um  die  Einschärfung  moralischer  Lehren  durch
sinnliche  Beispiele  handelt,  die  in  der  Geschichte  nicht  immer
gegeben  sind.
Letztere  Aeusserung  macht  den  didactischen  Charakter
der  Kunst  nach  Baumgarten’s  Principien  klar.  Die  vollkommene
Kunst  stellt  Wahrheit  dar,  wie  die  vollkommene  Wissenschaft.
Das  Universum,  die  beste  Welt,  ist  einziger  Gegenstand  der
Kunst,  wie  es  einziges  Object  der  Wissenschaft  ist.  Jene  versinnlicht ­
  es  in  Symbolen,  diese  denkt  es  in  Begriffen;  das  Bestehen ­
  ihres  Unterschiedes  ist  nur  die  Folge  des  Bestandes  der
Sinnlichkeit.  Könnte  die  letztere  jemals  verschwinden,  so
würde  dadurch  auch  die  Kunst  aufhören;  oder,  wie  Schiller  es
ausdrückte,  der  Mensch  hat  die  Kunst  ,allein'.  Die  vollkommene
Welt  mit  den  Augen  der  Sinnlichkeit  angeschaut,  scheint  Schönheit, ­
  wie  sie  durch  Vernunft  erkannt,  Wahrheit,  und  handelnd
verwirklicht,  das  Gute  ist.
In  der  letzten  Vorlesung  über  die  Methode  des  akademischen
Studiums,  welche  von  der  Kunst  handelt,  räumt  Schelling  ein,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.