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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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Zimm  ermann.

dings  in  seiner  Meinung  von  dem  ,bewusstlosen  Antheil  an  der
Poesie'  bestärkt  worden.
Am  1.  November  sandte  er  Schlegel’s  Manuscript  ,mit
vielem  Danke'  nach  Berlin  zurück.  Am  20.  October  hatte  er
vor  einer  so  zahlreichen  Zuhörerschaft,  dass  ein  Tlieil  derselben
keinen  Platz  mehr  im  Auditorium  fand,  seine  Vorlesungen
über  ,Philosophie  der  Kunst'  begonnen.  Ihre  Darstellung  und
Kritik  enthält  die  folgende  Abhandlung.
I.
Die  Aesthetik  als  Wissenschaft  ist  eine  Schöpfung  des
vorigen  Jahrhunderts.  Die  Mehrzahl  ihrer  Geschichtschreiber
nennt  übereinstimmend  den  Wolffianer  Baumgarten  als  ihren
ersten  Urheber;  andere  (Schelling  selbst)  sind  der  Meinung,
dass  es  erst  dieser  gewesen  sei.  Sicher  ist,  dass  der  letztere,
als  er  mit  dem  Gedanken  umging,  Kunstphilosophie  vorzutragen, ­
  sich  ausdrücklich  dagegen  verwahrte,  etwas  mit  der
bisher  sogenannten  Aesthetik  gemein  haben  zu  wollen.  So
gross  war  die  Abneigung  gegen  das  Werk  seiner  Vorgänger,
dass  er  sogar  den  Namen  desselben  vermied  und  statt  dessen
Philosophie  der  Kunst  gesetzt  wissen  wollte.
Man  kann  nicht  sagen,  dass  diese  Geringschätzung  gerechtfertigt ­
  gewesen  sei.  Die  Aesthetik  Baumgartens  war  die
Ausfüllung  einer  Lücke,  welche  das  Wolff’sche  System  der
philosophischen  Wissenschaften  neben  der  Logik  gelassen  hatte.
Galt  die  letztere  dafür,  eine  Anleitung  zur  Ausbildung  des
sogenannten  höheren  Erkenntnissvermögens,  des  Verstandes  und
der  Vernunft,  zur  höchsten  Vollkommenheit  zu  sein,  so  lag  der
Gedanke  sehr  nahe,  dass  es  eine  ähnliche  Anleitung  zur  Ausbildung ­
  des  sogenannten  niederen  Erkenntnissvermögens,  des
äusseren  Sinnes  geben  solle.  Diese  ,Logik'  des  Sinnes  nun
sollte  nach  Baumgarten  die  Aesthetik  sein.  Eine  Kunstlehre
des  sinnlichen  Vorstellens,  wie  jene  eine  des  reinen  Denkens.
Jenes  sollte  in  seiner  Art  ebenso  zur  Vollkommenheit  erhoben
werden,  wie  dieses  in  der  sehnigen.  Weil  aber  die  Vollkommenheit ­
  des  Denkens  nur  in  dessen  Erhebung  zum  wirklichen  Erkennen ­
  bestehen  kann,  so  durfte  auch  die  Vollkommenheit  des
sinnlichen  Vorstellens  in  nichts  anderem  als  in  dessen  Er-
            
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