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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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Schelling’ß  Philosophie  der  Kunst.
die  ideale  Entgegensetzung  der  antiken  und  modernen  Kunst
(die  sicli  wieder  wie  Real  und  Ideal  verhält)  betrachtet,  auf
diese  Weise  alles  zusammengehalten  und  die  Idee  jeder  einzelnen ­
  Kunst  wieder  für  sich  in  ihrer  Absolutheit  gefasst
werden.
Am  Tage,  da  er  dies  schrieb,  befand  sich  Schölling  mitten
im  Rausche  seines  neugewonnenen  Identitätsstandpunktes.  Das
System  des  transcendentalen  Idealismus  (1800)  lag  weit  hinter
ihm;  dafür  hatte  er  so  eben  (Sommer  1802)  die  Vorlesungen
über  die  Methode  des  akademischen  Studiums  beschlossen  und
das  dithyrambisch-nüchterne  Gespräch  ,Bruno 4  veröffentlicht,
in  dem  er  den  Pantheismus  des  Giordano  Bruno  mit  der  Ideenlehre ­
  Plato’s  wunderlich  verschmolz.  Die  ,Philosophie  der
Kunst'  sollte  ein  Seitenstück  werden  zu  den  Darstellungen  der
speculativen  Physik  in  seiner  mit  Flegel  herausgegebenen  Zeitschrift, ­
  in  welcher  die  ehemalige  Naturphilosophie  nun  im  spinozistischen
  Gewände  der  Identitätsphilosophie  erschien.  Das  empirische ­
  Material,  dessen  er  zu  seiner  Kunstphilosophie  bedurfte,
sollte  ihm  Schlegels  Manuscript  beischaffen.
Dasselbe  wurde  bereitwillig  dargeliehen  und  befand  sich
schon  vor  dem  24.  September  in  seinen  Händen.  Schon  am
4.  October  spricht  er  von  dem  ,unnennbaren  Vergnügen',  welches
das  Heft  ihm  verursacht;  es  entzückt  ihn,  er  lässt  es  abschreiben
und  liest  es  mit  der  Feder  in  der  Pland,  was  Schlegeln  (Br.  v.
8.  Oct.  a.  a.  O.  S.  417)  ,sehr  erfreut'.  Besonders  bewundert
Schelling  (Br.  v.  21.  Oct.  S.  425)  ,die  reinen  und  objectiven
Züge',  mit  denen  Schlegel  so  viele  Ideen  gleichsam  in  einer
allgemeingiltigen  Form  ,auch  für  die  Reflexion'  ausgesprochen
habe.  Fr  selbst  behielt  sich,  wie  man  sieht,  einen  höheren
Standpunkt  vor.  Ein  ,besonders  hoher  Geist'  wehe  aus  allem,
was  Schlegel  über  Architektur  sage,  mit  dessen  Ideen  über
dieselbe  er  sich  in  manchem  wenigstens  aus  der  Ferne  begegne. ­
  Uebcr  die  Ableitung  der  griechischen  Formen  aus  der
Analogie  mit  Baumstämmen  ist  er  ganz  Schlegels  Meinung,
glaubt  aber  eine  höhere  und  allgemeinere  Nothwendigkeit  annehmen ­
  und  die  Architektur  als  die  ,Landschaft  der  Plastik'
(in  den  Vorträgen  heisst  es  dann  ,Musik  der  Plastik')  begrüssen
zu  dürfen.  Am  wenigsten  genügt  ihm  Schlegels  Poetik.  Er
vermisst  die  ,Centralidee  der  Poesie'  und  ist  dadurch  neuer-
            
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