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Schelling’ß Philosophie der Kunst.
die ideale Entgegensetzung der antiken und modernen Kunst
(die sicli wieder wie Real und Ideal verhält) betrachtet, auf
diese Weise alles zusammengehalten und die Idee jeder einzelnen
Kunst wieder für sich in ihrer Absolutheit gefasst
werden.
Am Tage, da er dies schrieb, befand sich Schölling mitten
im Rausche seines neugewonnenen Identitätsstandpunktes. Das
System des transcendentalen Idealismus (1800) lag weit hinter
ihm; dafür hatte er so eben (Sommer 1802) die Vorlesungen
über die Methode des akademischen Studiums beschlossen und
das dithyrambisch-nüchterne Gespräch ,Bruno 4 veröffentlicht,
in dem er den Pantheismus des Giordano Bruno mit der Ideenlehre
Plato’s wunderlich verschmolz. Die ,Philosophie der
Kunst' sollte ein Seitenstück werden zu den Darstellungen der
speculativen Physik in seiner mit Flegel herausgegebenen Zeitschrift,
in welcher die ehemalige Naturphilosophie nun im spinozistischen
Gewände der Identitätsphilosophie erschien. Das empirische
Material, dessen er zu seiner Kunstphilosophie bedurfte,
sollte ihm Schlegels Manuscript beischaffen.
Dasselbe wurde bereitwillig dargeliehen und befand sich
schon vor dem 24. September in seinen Händen. Schon am
4. October spricht er von dem ,unnennbaren Vergnügen', welches
das Heft ihm verursacht; es entzückt ihn, er lässt es abschreiben
und liest es mit der Feder in der Pland, was Schlegeln (Br. v.
8. Oct. a. a. O. S. 417) ,sehr erfreut'. Besonders bewundert
Schelling (Br. v. 21. Oct. S. 425) ,die reinen und objectiven
Züge', mit denen Schlegel so viele Ideen gleichsam in einer
allgemeingiltigen Form ,auch für die Reflexion' ausgesprochen
habe. Fr selbst behielt sich, wie man sieht, einen höheren
Standpunkt vor. Ein ,besonders hoher Geist' wehe aus allem,
was Schlegel über Architektur sage, mit dessen Ideen über
dieselbe er sich in manchem wenigstens aus der Ferne begegne.
Uebcr die Ableitung der griechischen Formen aus der
Analogie mit Baumstämmen ist er ganz Schlegels Meinung,
glaubt aber eine höhere und allgemeinere Nothwendigkeit annehmen
und die Architektur als die ,Landschaft der Plastik'
(in den Vorträgen heisst es dann ,Musik der Plastik') begrüssen
zu dürfen. Am wenigsten genügt ihm Schlegels Poetik. Er
vermisst die ,Centralidee der Poesie' und ist dadurch neuer-