620
Conz e.
5./17. Juli 1874, durch welche wir zum ersten Male von
einem unzweifelhaft sehr eigenthümlichen altböotischen Grabrelief
aus Tanagra Nachricht erhielten. Rhusopulos fand es
im October 1873 im Hause eines gewissen KO-cyj; AsßaSttTjs
in Tanagra. Als Fundort wurde ihm Ko/.xai neben der Burg
von Tanagra angegeben. Die Gesammthöhe beträgt 1*965 Mot.,
die Breite an der Basis 0*52. In der Mitte ist der Stein durchgebrochen.
Das Material ist Poros, die Darstellung zeigt in
sehr hohem Relief zwei lebensgrosse nackte männliche Figuren,
die neben einander stehend sich mit je einem Arme um die
Schultern fassen, während jede den andern Arm stramm mit
geballter Hand an der Hüfte herabhängen lässt. Die Köpfe
sind leider sehr zerstört. Das Haar fällt in alterthümlich geordneten
Locken beiderseits auf die Brust herab. Die Körper
sind auffallend mager und schmal. Auf der Basis, die, ebenso
wie ein oben vorspringender Rand, aus einem und demselben
Steine mit dem Relief ist, steht, wie ich nach Rhusopulos
Facsimile lese, folgender wegen des widerstrebenden Namens
nicht ganz wohl gerathene Hexameter:
’AjxcpaXy.^t; [sffjraa 1 litt KitöXw ■qo’ sH Aepp.u[i].
Zu beiden Seiten der Figuren sind die Namen noch einmal
angebracht, links Aspp.u;, rechts KrwXo?. Rhusopulos hebt
gewiss mit Recht bei der Mittheilung der hier befolgten Beschreibung
hervor, wie bedeutsam dieses Monument in die
Reihe der bisher bekannten altgriechischen Sculpturen eintritt.
Dem ersten Hinweise ist inzwischen nicht bloss eine Besprechung
von Stamatakis und Kumanudis- im ’Aöipiatov 1873
S. 405, sondern auch durch Vermittlung und Bemühung der
Herren Klein und Robert vielleicht bereits die Formung des
Reliefs gefolgt, so dass eine genaue Kenntniss desselben bald
allgemein würde gewonnen werden können. Herrn Kleins Anregung
wird es ebenfalls verdankt, dass auch das alte, jetzt nach
Dieben gebrachte Grabrelief von Thespiae, dessen Inschrift
Kaibel im Hermes VIII, S. 417 f. n. 9 herausgegeben hat
([p,]vajj.’ km [A]a0wvt -/.apicToy.pcast), von Martinelli geformt worden ist.
Auch ausserhalb Athens ist unsere Bitte um Unterstützung
nicht ganz erfolglos geblieben. Wir verdanken Herrn Professor
Bergau in Nürnberg die Photographie eines in seinem Besitze