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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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C-onz  e.

Besonders  ansehnlich  ist  der  Zuwachs  der  vereinzelt  im
Privatbesitz  zu  Athen  und  im  Piraeeus  befindlichen
Reliefs.  Unter  diesen  bei  freundlichem  Entgegenkommen  der
Eigenthiimer  durch  Postolakkas  Fleiss  und  Örtskunde  zusammengebrachten ­
  306  Exemplaren  kann  eine  grosse  Anzahl  für
bisher  ausserhalb  Athens  so  gut  wie  unbekannt  gelten;  einzelne
von  ihnen  treten  aber  auch,  sei  es  der  Darstellung  oder  der
Güte  der  Arbeit  wegen,  sei  es  durch  Eigentümlichkeiten  der
Technik  oder  treffliche  Erhaltung,  aus  der  Masse  aller  bekannten
Grabreliefs  als  besonders  merkwürdig  hervor.
Beispielsweise  nenne  ich  als  eines  der  beachtenswertesten
Stücke  im  Privatbesitz  den  über  einer  Hausthür  der  Asklepiosstrasse ­
  im  Piraeeus  eingemauerten  Grabstein  des  Ky^toc  Kv;-<ptsoS(!)po[u]
  KcpuBaXkeui;  (App.  Pir.  Privates.  26.  Kumanudis  693).
Er  zeigt  den  Verstorbenen  allein  bei  der  Mahlzeit  liegend.
Nach  dem  Charakter  der  Schrift,  nach  der  dieser  Classe  von
Grabbildern  später  nicht  mehr  eigenen  flachen  Reliefzeichnung,
womit  auch  die  Einfachheit  der  Darstellung  stimmt,  ist  es
eines  der  älteren  sog.  Todtenmahle,  welche  dann  in  römischer
Zeit  so  sehr  überhand  nahmen.
Aus  dem  zahlreicheren  Privatbesitze  in  Athen  selbst  ist
gleich  n.  1  unseres  Apparates  (Athen,  Privatbesitz)  hervorzuheben, ­
  eine  an  der  Kephisiastrasse  nahe  dem  k.  Palais  am
16.  September  1873  ausgegrabene  Marmorvase  mit  der  Reliefdarstellung ­
  des  Hermes,  der  die  Verstorbene  Muppivv;  in  Gegenwart ­
  dreier  Angehörigen  fortführt.  Dass  dieses  Relief  nicht
leicht  ganz  ohne  Einfluss  'auf  unsere  Auffassung  des  dreifach
(Neapel,  Villa  Albani,  Louvre)  vorhandenen  sog.  Orpheus-  und
Eurydike-Reliefs  bleiben  wird,  ist  bereits  von  Lüders  in  der
Eröffnungssitzung  des  deutschen  archaeologischen  Institutes  in
Athen  hervorgehoben;  publicirt  und  eingehender  besprochen
wurde  es  von  Ravaisson  in  der  Gazette  archeologique  pl.  7,
Heft  1  u.  2.  (Vgl.  auch  arcli.  Zeitung  1871  S.  150.)
In  werkwürdiger  Realität  stellt  sich  auf  ihrem  Grabsteine
(App.  Athen  Privatbes.  81.  Kumanudis  3228)  die  kleine  ’OXuviua;
dar,  ihre  Taube  an  die  Brust  drückend,  wie  ein  prosaisches
Gegenbild  zu  dem  im  ersten  Berichte  (S.  22)  von  Michaelis
aufs  Neue  hervorgehobenen  parischen  Mädchen  mit  den  Tauben
in  Brocklesby-Park.
            
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