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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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Kenner.

.nommen  werden,  dass  sie  in  entgegengesetzter  Richtung  noch
einen  andern  Zielpunkt  gehabt  habe.  Kohn  scheint  freilich
als  solchen  Grünau  anzunehmen.  Einen  Anhalt  dafür  hat  er
nicht;  es  ist  nicht  wahrscheinlich,  dass  eine  via  publica  schon
im  10.  Jahrhunderte  nach  Grünau  gegangen  sei.  Man  wird  für
diese  Zeit  doch  wohl  nicht  annehmen  wollen,  dass  man  in  das
abgelegene  Gebirgsthal  der  Alm,  das  keinen  weiteren  Verkehr
aufzuweisen  hatte,  als  jenen  welchen  der  Transport  des  Salzes
von  Gmunden  ins  östliche  Vorland  bedingt,  eine  via  publica
gebaut  habe,  zumal  als  damals  die  Salinen  des  Salzkammergutes ­
  noch  keineswegs  monopolisirt  waren  und  Gmunden
höchstens  ein  einfacher  Verladeplatz  für  Salz,  keineswegs  aber
ein  Ort  mit  einer  Kirche  oder  gar  eine  Civitas  war.  Viel
wahrscheinlicher  ist  es,  dass  die  Fortsetzung  dieser  Strasse  in
das  Krems-  und  Steierthal  und  über  den  Pirn  geführt  habe
und  auch  als  solche  nicht  im  hohen  Mittelalter  geschaffen  worden, ­
  sondern  die  römische  Strasse  gewesen  sei,  die  alsdann
Petenbach  berührt  haben  muss.
Lassen  wir  aber  dies  bei  Seite;  wir  finden  in  einer  Entfernung ­
  von  15  mp.  von  Wels  aus  keinen  Knotenpunkt  des
Verkehres  als  Petenbach,  welches  auf  diese  Distanz  von
ersterem  Orte  abliegt.  Von  hier  aus  bewegte  sich  die  Strasse
in  der  Richtung  auf  das  Kremsthal,  in  welches  sie  etwa  durch
die  Vertiefung  des  Grösslingbaches  bei  Unter-Inzersdorf  vom
Höhenrücken  hinabstieg,  um  gerade  auf  Mitter-Micheldorf  und
weiter  mit  der  heutigen  Poststrasse  nach  Klaus  zu  gehen,  das
von  Pettenbach  15  mp.  absteht.
Die  Linie,  welche  ihre  beiläufige  Richtung  auf  dem  Kärtchen ­
  darstellt,  ist  mit  Rücksicht  auf  die  Terrainbildung  gezeichnet, ­
  wie  die  Generalstabskarte  sie  angibt.  Man  wird  daraus
ersehen,  was  von  der  Behauptung  Kohn’s  zu  halten  sei,  dass
ich  die  Strasse  in  einer  Schlangenlinie  geführt  hätte,  die  noch
länger  sei  als  die  heutige  Poststrasse  über  Voitsdorf  mit  all
ihren  Krümmungen.  Ich  habe,  um  diese  Behauptung  zu  prüfen,
die  Strasse  nach  Souvent’s  Karte  abgemessen,  deren  Massstab
(1  Zoll  =  1000  Klafter)  so  gross  ist,  dass  ein  mille  passüum
eine  Länge  von  9'/ 2  Linien  (=  2  Cm.)  erhält  und  halbe  und
Viertel-mille  noch  deutlich  aufgetragen  werden  können.  Mit
diesem  Massstabe  zählte  ich  von  Wels  auf  der  heutigen  Post-
            
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