Ernolatia.
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mangelnde Meilenzahl bei Viscellae bereitet. Südlich vom Tauern
ist man also nicht blos nicht genöthigt, sondern vielmehr gar nicht
berechtigt von den überlieferten Zahlen der Tabula abzugehen.
Die Ausgleichung der von ihr überlieferten mit der wirklichen
Weglänge kann daher nur nördlich vom Tauern erfolgen.
Mit diesem Ergebnisse setzen wir unsere Wanderung fort.
(Tartursanis IX., Surontio X.) Von Viscellae und
Monate weg hebt der südliche Anstieg auf das Tauerngebirge
an. Von den Steigungen, welche die Strasse hier machen musste,
war schon oben die Rede. Es sei hier nur wiederholt, dass sie
auf 19 mp. Weges (3 4 /.- Meilen) 1472 Fuss betragen. Anfänglich
— bis St. Johann — ist die Erhebung nicht sehr bedeutend;
von hier an aber übertrifft sie, um bekannte Beispiele anzuführen,
die grössten Steigungen der Semmering- und Brennerbahn, welche
1 Klafter auf 40 Klafter Weges erreichen. 1 Es ist selbstverständlich,
dass man eine so lange, stetig ansteigende Strecke
ohne Pferdewechsel nicht zurücklegen konnte. Die Bergfahrt
ward denn auch in zwei Theile zerlegt, von denen der eine 9,
der andere 10 mp. lang ist. Die Station am Schluss des ersten
wird in der Tabula Tartursanis genannt und kam nach der
Bestimmung von Viscellae auf Sauerbrunn, etwa '/ 2 mp. (12 Minuten)
Weges oberhalb von Möderbruck zu stehen.
Der Name ,Möderbruck' bezeichnet den Uebergang der
Tauernstrasse über den Brettsteinbach, welcher nahe bei diesem
Punkt sich mit dem vom Tauern herabkommenden Pölsbache
vereinigt, ln dem ersten Theile des Wortes ist noch eine Erinnerung
an den alten keltischen Namen des Brettsteinbaches
enthalten, wie er lautete, bevor ihm dieser deutsche Name beigelegt
wurde. Der in Deutschland erscheinende Ort und Fluss
Moder heisst in Urkunden der Zeit von 702 —1017 Mätra,
welchen Namen Bacmeister 2 mit dem gallischen Namen Mätröna
(— Marne) zusammenstellt. Dasselbe ist dann wohl auch der
Fall mit dem ,Moder' im ersten Theil des Namens Möderbruck ;
auch ein Moderbach, hinter dem Schöckel, in der östlichen
Steiermark, welcher bei Erzberg in die Raab fallt, 3 dann der
1 Nacli mündlicher Mittheilung des Chef-Ingenieurs ITrn. Adolf Doppler, der
den Bau der Brennerbahn leitete.
2 Keltische Briefe, herausgegeben von Otto Keller. Strassburg 1874, S. 119.
3 Schmutz, Steil*. Topographie II. 5(30.