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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Ernolatia.

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mangelnde  Meilenzahl  bei  Viscellae  bereitet.  Südlich  vom  Tauern
ist  man  also  nicht  blos  nicht  genöthigt,  sondern  vielmehr  gar  nicht
berechtigt  von  den  überlieferten  Zahlen  der  Tabula  abzugehen.
Die  Ausgleichung  der  von  ihr  überlieferten  mit  der  wirklichen
Weglänge  kann  daher  nur  nördlich  vom  Tauern  erfolgen.
Mit  diesem  Ergebnisse  setzen  wir  unsere  Wanderung  fort.
(Tartursanis  IX.,  Surontio  X.)  Von  Viscellae  und
Monate  weg  hebt  der  südliche  Anstieg  auf  das  Tauerngebirge
an.  Von  den  Steigungen,  welche  die  Strasse  hier  machen  musste,
war  schon  oben  die  Rede.  Es  sei  hier  nur  wiederholt,  dass  sie
auf  19  mp.  Weges  (3 4 /.-  Meilen)  1472  Fuss  betragen.  Anfänglich ­
  —  bis  St.  Johann  —  ist  die  Erhebung  nicht  sehr  bedeutend;
von  hier  an  aber  übertrifft  sie,  um  bekannte  Beispiele  anzuführen,
die  grössten  Steigungen  der  Semmering-  und  Brennerbahn,  welche
1  Klafter  auf  40  Klafter  Weges  erreichen. 1  Es  ist  selbstverständlich, ­
  dass  man  eine  so  lange,  stetig  ansteigende  Strecke
ohne  Pferdewechsel  nicht  zurücklegen  konnte.  Die  Bergfahrt
ward  denn  auch  in  zwei  Theile  zerlegt,  von  denen  der  eine  9,
der  andere  10  mp.  lang  ist.  Die  Station  am  Schluss  des  ersten
wird  in  der  Tabula  Tartursanis  genannt  und  kam  nach  der
Bestimmung  von  Viscellae  auf  Sauerbrunn,  etwa  '/ 2  mp.  (12  Minuten) ­
  Weges  oberhalb  von  Möderbruck  zu  stehen.
Der  Name  ,Möderbruck'  bezeichnet  den  Uebergang  der
Tauernstrasse  über  den  Brettsteinbach,  welcher  nahe  bei  diesem
Punkt  sich  mit  dem  vom  Tauern  herabkommenden  Pölsbache
vereinigt,  ln  dem  ersten  Theile  des  Wortes  ist  noch  eine  Erinnerung ­
  an  den  alten  keltischen  Namen  des  Brettsteinbaches
enthalten,  wie  er  lautete,  bevor  ihm  dieser  deutsche  Name  beigelegt ­
  wurde.  Der  in  Deutschland  erscheinende  Ort  und  Fluss
Moder  heisst  in  Urkunden  der  Zeit  von  702  —1017  Mätra,
welchen  Namen  Bacmeister 2  mit  dem  gallischen  Namen  Mätröna
(—  Marne)  zusammenstellt.  Dasselbe  ist  dann  wohl  auch  der
Fall  mit  dem  ,Moder'  im  ersten  Theil  des  Namens  Möderbruck  ;
auch  ein  Moderbach,  hinter  dem  Schöckel,  in  der  östlichen
Steiermark,  welcher  bei  Erzberg  in  die  Raab  fallt, 3  dann  der
1  Nacli  mündlicher  Mittheilung  des  Chef-Ingenieurs  ITrn.  Adolf  Doppler,  der
den  Bau  der  Brennerbahn  leitete.
2  Keltische  Briefe,  herausgegeben  von  Otto  Keller.  Strassburg  1874,  S.  119.
3  Schmutz,  Steil*.  Topographie  II.  5(30.
            
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