556
Kenner.
auf der Thalstrecke bis St. Georgen die Richtung der römischen
Strasse befolgt. Schon das spricht dafür, dass man im Murthale
in keiner Richtung, wie man immer die Strassenlinien ziehen
mag, eine zweckmässigere und dem Charakter der römischen
Wegführung entsprechendere als die der heutigen Tauernstrasse
findet. Wir werden daher mit der grössten Wahrscheinlichkeit
den Murübergang mit der Station Ad pontem bei St. Georgen
annehmen dürfen; diese Station lag also X mp. von Noreia
und IIII mp. von Viscellae entfernt.
Dadurch gestaltet sich unsere Aufgabe, die Erklärung der
Lücke bei Viscellae, um Vieles einfacher.
Wir haben zwischen dem 40. und 54. Meilensteine drei
Stationen: Noreia, Ad pontem, Viscellae, welche mit den heutigen
Orten Teuffenbach, St. Georgen bei Unzmarkt und Sauerbrunn
ganz oder nahezu zusammenfallen. Die ursprüngliche
Textierung der betreffenden Stelle in der Tabula muss nach
den Abständen dieser Stationen von einander gelautet haben:
Noreia . X . Ad pontem . IIII . Viscellis.
so dass von der überlieferten Zahl bei Ad pontem (XIIII) der
zweite Theil IIII ursprünglich nicht daselbst, sondern in der
nunmehrigen Lücke bei Viscellis gestanden hätte.
Es muss nun untersucht werden, ob eine solche Textierung
dem Gebrauche der Tabula nicht entgegen stehe; ferner muss
erklärt werden, wie es komme, dass auf einer Strecke von
14 mp., welche dem durchschnittlichen Ausmasse einer halben
Tagereise sehr nahe steht, ausser dem Anfangs- und Endpunkte
noch eine Zwischenstation (Ad pontem) genannt wird, dann,
wie es komme, dass in der Tabula gegen ihre Gewohnheit die
Distanz bei der Zwischen- statt bei der Schlussstation der
Strecke eingestellt wurde.
Was den ersten Punkt betrifft, bietet die Tabula mannigfache
Analogien dar. Dasselbe Blatt nennt von Vindobona nach
Carnuntum:
Vindobona . X . Villa Gai . IIII . Aequinoctio . XIIII .
Carnunto.
Vermuthlich ist hier wie in den folgenden Beispielen ein
Flussübergang und zwar der Uebergang über die Fischa ge-