428
Kohn.
tursana nur Mutationes gewesen. Man wird vielleicht einwenden,
dass der Abstand der Mansiones ad pontem und Surontium
(XXXI m. p.) in Anbetracht des schwierigen Terrains
zu gross sei. Eine derartige Verkehrserleichterung fehlte sogar
auf dem von der Strasse Virunum—Juvavo übersetzten Iiadstädter
Tauern, auch dort lag zwischen den beiden Thalstationen
Anis und Inimurio nur eine einzige Haltstelle in alpe.
Dann müssen wir daran erinnern, dass auch die Distanz der
Mansionen Gabromago und Surontium, zwischen denen das
Pirnjoch liegt, XXX m. p. beträgt. Der Pirnübergang ist
freilich bedeutend leichter zu bewältigen; allein der Unterschied
wird dadurch mehr als aufgewogen, das die Tauernpassage
mit zwei Mutationes ausgestattet war. Nachdem wir
den Standort von Viscella ermittelt haben, hat es weiter keine
Schwierigkeit, die in der Tabula ausgefallene Distanzziffer der
der Strecke Viscellis—ad pontem zu ermitteln. Die Bestimmtheit
der Bodengestaltung bürgt dafür, dass die moderne Chaussee
zwischen Möderbruck und der Murbrücke bei Furth in ihrem
Laufe und also auch in ihrer Länge von der Römerstrasse
nicht beträchtlich abweiche. Auf jener beläuft sich der Abstand
der beiden genannten Orte auf 12 m. p. Fügt man dem
leer ausgegangenen Viscellis, das, wie oben dargethan worden,
von der Tabula in jeder Weise als selbständige Station gekennzeichnet
wird, diese Ziffer bei, so stehen alle Stationen
an ihrem richtigen Platze, und es ist keine Distanzangabe aufzufinden,
an deren Correctheit gezweifelt werden dürfte.
Ueberblicken wir jetzt noch einmal den ganzen Strassenlauf,
so müssen wir der Energie unsere Bewunderung zollen,
mit der der Römer ein an Schwierigkeiten so reiches Terrain
zu bewältigen verstand. Die Länge des ganzen Weges zwischen
Virunum und Ovilava beträgt nicht mehr als 157 m. p. oder
31 2 / 5 deutsche Meilen. Nicht weniger beachtenswerth ist die
ungemein praktische Vertheilung der Stationen. Von einer
einzigen Ausnahme, der unumgänglich nöthigen Haltstelle auf
der Höhe des Tauernjoches abgesehen, liegen alle im flachen
Lande, wo die für den Postverkehr erforderlichen Bauten leicht
herzustellen, die Lebensmittel für Menschen und Thiere und
allenfalls auch Fuhrwerke zur Hand waren. Mit besonderer
Vorliebe sehen wir Punkte zu Stationen auserkoren, wo meh-