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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Die  römisclie  Heerstraese  von  Virunum  nach  Ovilava.  425
Preuneggrabens;  cler  Steiersee  auf  der  Hochebene  des  Todten
Gebirges. 1  Die  Entfernung  der  genannten  Station  von  Gabromagus
  beziffert  die  Tabula  mit  XV  m.  p.  Mit  diesem  Wegmasse ­
  gelangt  man  auf  der  früher  beschriebenen  Bahn  von
der  Fundstätte  bei  Windischgarsten  ins  Ennsthal  bei  Lietzen.
Wiederum  führen  uns  die  überlieferten  Wegmasse,  wie  bei
Unzdorf,  Scheifling  und  Furth  im  südlichen,  bei  Ramsau,
Diernbach  und  Windischgarsten  im  nördlichen  Strassentheile,
an  den  Kreuzungspunkt  zweier  Thäler.  Und  wiederum,  zum
dritten  Male,  seitdem  wir  von  Ovilava  ausgegangen,  stossen
wir  auf  bedeutende  Ueberreste  römischer  Ansiedlung.  Am
Kirchthurme  von  Lietzen  befand  sich  schon  in  Muchar’s  Zeiten
ein  römischer  Grabstein  eingemauert.  Ein  antiker  Dolch  und
zwei  Bronzegeräthe,  welche  für  Bestandtheile  eines  Pferdegeschirres ­
  gehalten  werden,  wurden  in  den  Jahren  1868  und
1872  in  der  nächsten  Nachbarschaft  dieses  Marktes  gefunden.
Ueber  einen  grösseren  Fund  berichtet  Knabl  im  9.  Hefte  der
Mittheilungen  des  historischen  Vereines  der  Steiermark:  ,Bei
Erweiterung  der  Poststrasse  in  der  Richtung  nach  Pirn,  noch
in  der  Gemeinde  Lietzen,  ist  zwischen  den  Jahren  1833—1834
ein  vollständiges  römisches  Grab  mit  mehreren,  leider  verschleppten ­
  Steinfiguren,  wovon  jedoch  zwei  nach  Admont  gekommen ­
  sind,  nebst  einem  Inschriftsteine  aufgedeckt  worden'.
Dieser  Inschriftstein  ist  ein  mehreren  Personen,  worunter  sich
auch  ein  Soldat  befindet,  gewidmetes  Grabdenkmal.  So  stehen
also  die  drei  einzigen  Fundstätten  römischer  Denkmäler,  die
den  Lauf  unserer  Strasse  zwischen  Wels  und  dem  Ennstliale
fixiren,  genau  in  denselben  Abständen,  wie  die  Stationen  Ernolatia,
  Gabromagus  und  Stiriate.  Kann  es  einen  zuverlässigeren ­
  Beweis  für  die  Richtigkeit  unserer  Strassenführung  und
Stationenbestimmung  geben,  als  dieses  ungesuchte  Zusammentreffen ­
  der  Fundstätten  mit  den  an  der  Hand  der  Itinerarien
ermittelten  Standorten  der  Stationen?
Ueber  die  Richtung,  welche  die  Strasse  von  Lietzen  südwärts ­
  eingeschlagen,  kann,  nachdem  bereits  durch  eingehende
1  Schaubach,  Die  deutschen  Alpen,  III.  477.  Götli,  Topographie  von
Steiermark,  III.  179,  184.
            
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