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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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K  o  h  n.

Windischgarsten  und  dessen  Umgebung/  Die  Unzuverlässigkeit ­
  einer  derartigen  Ortsbestimmung  liegt  auf  der  Hand.
Wollte  man  auch  von  dem  problematischen  Charakter  dieser
etymologischen  Ableitung  absehen,  so  bliebe  noch  immer  das
schwere  Bedenken,  dass  die  Umgebung  von  Windischgarsten
wohl  einige  Teiche  aufzuweisen  hat,  aber  durchaus  keine
Sumpfgegend  ist.  Es  liegt  auch  keine  historische  Nachricht
vor,  dass  dies  ehedem  der  Fall  gewesen.  Weder  der  Dambach
noch  die  Teichl  können,  wie  übrigens  schon  ihre  Namen  bezeugen, ­
  auf  die  Bezeichnung  ,Fluss'  Anspruch  erheben.  Noch
schlagender  ist  der  Einwurf,  den  die  beiden  Itinerarien  selbst
gegen  eine  derartige  Lage  von  Ernolatia  erheben.  Fürs  erste
ist  dieser  Ort,  wie  aus  dem  Zusammenhänge  ihrer  Daten  hervorgeht, ­
  niemals  eine  Mansio  gewesen,  während  Kenner  nach
eingehenden  Studien  über  den  Windischgarstener  Fund  zu  dem
Ergebnisse  gelangte,  dass  liier  die  Ueberreste  einer  Mansio
und  nicht  einer  Mutatio  vorliegen.  Dass  Ernolatia  in  den
Zeiten  des  Itinerars  keine  Mansio  gewesen,  beweist  einfach
die  Thatsache,  dass  es  dort,  gleich  allen  übrigen  Mutationes
der  Route,  mit  Stillschweigen  übergangen  wird.  Dass  es  auch
in  den  Tagen  der  Tabula  nur  eine  Mutatio  war,  beweist  das
Mass  seines  Abstandes  von  Ovilava.  Es  ist  bereits  oben  nachgewiesen ­
  worden,  dass  der  Römer,  wo  es  nur  immer  anging,
die  Mansiones  in  die  Städte  verlegte,  wo  eben  die  Bedürfnisse
der  Post  und  der  Reisenden  in  jeder  Richtung  befriedigt  werden ­
  konnten.  Ovilava  war,  wie  die  beigesetzten  Thürme  in
der  Tabula  bekunden,  eine  Civitas  und  überdies  nach  Yirunum
wohl  der  bedeutendste  Ort  auf  der  ganzen  Route.  Diese  beiden
Städte  zu  Gunsten  einiger  Dörfer  zu  Mutationes  degradiren  zu
wollen,  ist  dem  praktischen  Römer  nie  in  den  Sinn  gekommen.
Hätte  Kenner  nicht  selbst  gleichnamige  Orte  auseinander  geschoben, ­
  so  wäre  ihm  die  Hypothese  von  einer  ,  Verschiebung
der  Stationen'  wohl  nie  in  den  Sinn  gekommen.  Es  ist  nicht
der  schwächlichste  Grund  aufzutreiben,  warum  im  nördlichen
Theile  unserer  Route,  wo  die  Quellen  in  den  Namen  und
Distanzen  der  Orte  so  genau  übereinstimmen,  die  Vertheilung
der  Stationen  zu  Zeiten  der  Tabula  eine  andere  gewesen  sein
sollte,  als  zu  Zeiten  des  Itinerars.  Hier  wie  dort  müssen  Ovilava, ­
  Tutatio,  Gabromagus  als  Mansiones,  und  folglich  das
            
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