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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Die  römische  Heerstrasse  von  Virunura  hach  Ovilava.

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der  Gebäudespuren  zufolge  die  fragliche  Station  eine  Mansio
und  keine  blosse  Mutatio  gewesen.  Dagegen  geht  Kenner  ,zu
weit,  wenn  er  an  der  Hand  der  gefundenen  Münzen  beweisen
will,  dass  man  es  mit  einer  Mansio  zu  thun  habe,  die  erst  in
den  Tagen  des  Alexander  Severus  erbaut  worden.  Diese  Zeitbestimmung ­
  wäre  selbst  dann  problematisch,  wenn  die  von  ihm
verzeichneten  Münzen  einen  ihrem  Ursprünge  nach  einheitlicheren ­
  Charakter  aufwiesen  und  an  einer  und  derselben  Stelle
gefunden  wären.  Keines  von  beiden  ist  hier  der  Fall.  Diese
Denkmäler  reichen,  wie  bereits  bemerkt  worden,  von  Nero  bis
Valens,  gehören  vorwiegend  der  zweiten  Hälfte  des  3.  Jahrhunderts ­
  an;  das  Zeitalter  des  Alexander  Severus  ist  darin
nicht  stärker  vertreten  als  irgend  einer  der  vorausgegangenen
und  nachfolgenden  Zeitabschnitte.  Es  kommt  hinzu,  dass,  wie
Kenner  selbst  wiederholt  anmerkt,  alle  diese  Münzen  zerstreut
in  den  verschiedensten  Räumen  des  Baues  und  in  den  angrenzenden ­
  Feldern  gefunden  wurden.  Mit  seiner  Vermuthung
einer  zweimaligen  Zerstörung  der  Gebäude  verhalte  es  sich
wie  immer;  in  jedem  Falle  heisst  es  graue  Hypothesen  übereinander ­
  thürmen,  wenn  Kenner  diese  Münzen  wie  einen  vergrabenen ­
  Schatz  behandelt,  in  künstlich  geschaffene  ,Gruppen“
abtheilt,  und  mit  diesen  beweisen  will,  dass  sämmtliche  älteren
Münzen  erst  nach  217  n.  Chr.  in  das  aufgegrabene  Gebäude
gelangt  sein  können  u.  dgl.  m.  Durch  diese  gewaltsame  Deduction
  gelangt  er  dann  zu  dem  Schlüsse,  dass  die  bei  Windischgarsteu
  gestandene  Station  nur  eine  solche  sein  könne,
welche  sich  in  der  nach  217  verfassten  Tabula  Peutingeriana
verzeichnet  findet.  Im  Itinerarium  Antonini,  das  seinen  Ursprung ­
  einer  älteren  Zeit  verdanke,  könne  sie  nicht  Vorkommen.
Dann  hält  Kenner  unter  den  nördlicheren  Stationen  der  Tabula
Umschau  und  findet,  dass  die  besprochenen  Funde  unzweifelhaft ­
  als  die  Ueberreste  von  Ernolatia  zu  betrachten  seien.
,Ernus  ist  ein  nicht  selten  vorkommender  keltischer  Flussname,
  wahrscheinlich  kein  Eigen-,  sondern  ein  Gattungsname;
Haid  bezeichnet  einen  Sumpf.  Der  Name  Ernolatia,  der  aus
den  genannten  beiden  Wörtern  zusammengesetzt  ist,  bezeichnet
also  einen  Ort  an  einem  durch  sumpfigen  Boden  fliessenden
Wasser.  Auf  keinen  andern  Ort  der  Route  Virunum—Ovilava
passt  diese  wörtliche  Bedeutung  von  Ernolatia  so  gut,  als  auf
            
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