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Adria mündet und eine Strecke weit die Grenze des Veneterlandes
bildet. Auch Plinius (III. 22) kennt den Natiso mit
seinem Nebenflüsse Turro (,Natiso cum Turro praefluentes
Aquilejam colonianV); allein mit seiner Schiffbarkeit ist es übel
bestellt, sein Bett liegt nach Czoernig einen Theil des Sommers
über ausgetrocknet. Es braucht auch kaum daran erinnert zu
werden, dass selbst seine Gesammtentwicklung weit hinter den
1200 Stadien des Strabo zurückbleibt. Nicht viel besser steht
es mit der Schiffbarkeit und Länge des Isonzo und noch weit
unbedeutender sind die anderen Küstenflüsse, die dem Golfe
von Triest zueilen. Ist demnach auch keine Verwechslung
mit einem anderen Flusse der Umgebung denkbar, so wird
man sich bescheiden müssen, die Ortsbestimmung Strabo’s zu
jenen Irrthümern und Märchen zu zählen, die bei Griechen
und Römern über die Alpenländer reichlich im Schwünge
waren. Erst die dauernde Römerherrschaft verbreitete auch
über diese Gegenden ein helleres Licht. Zum Glücke liegen
in Strabo’s Werke selbst und in den Schriften anderer Alten
hinlängliche Nachrichten vor, welche bei sorgfältiger Prüfung
über die Lage des historisch bekannten Noreia Aufschluss
geben. In dem von Ptolemaeus (1. II. c. 11. 12) gegebenen
Verzeichnisse der norischen Städte begegnet uns kein Noreia.
Auch Plinius, der im 27. Capitel des 3. Buches seiner Naturgeschichte
die Städte der Provinz Noricum aufzählt, meldet
dort nichts von der Existenz eines Noreia. Dagegen im 23. Capitel
desselben Buches, wo Plinius sich noch mit dem 10. Bezirke
Italiens beschäftigt, weiss er zu berichten: In hoc situ
interiere per oram Iramine, Pellaon, Palsatium, ex Venetis
Atina et Caelina, Carnis Segesta et Ocra, Tauriscis Noreia.
Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass dieses von Plinius
zu den untergegangenen Städten gezählte Noreia kein anderes
als das jedem gebildeten Römer aus der Geschichte seines
Volkes wohlbekannte sein kann. Aus derselben Nachricht des
Plinius geht aber auch auf das Bestimmteste hervor, dass eben
dieses Noreia gar nicht in der Provinz Noricum, sondern eben
im 10. Bezirke Italiens gesucht werden muss. Um dies zu
verstehen, ist zu erinnern, dass das kaiserliche Italien seine
Grenze weit gegen Nordosten vorgeschoben hatte. Es umfasste
nicht blos die Landschaft der Carner im Flussgebiete des Isonzo,