Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

400

K  o  h  n.

Adria  mündet  und  eine  Strecke  weit  die  Grenze  des  Veneterlandes ­
  bildet.  Auch  Plinius  (III.  22)  kennt  den  Natiso  mit
seinem  Nebenflüsse  Turro  (,Natiso  cum  Turro  praefluentes
Aquilejam  colonianV);  allein  mit  seiner  Schiffbarkeit  ist  es  übel
bestellt,  sein  Bett  liegt  nach  Czoernig  einen  Theil  des  Sommers
über  ausgetrocknet.  Es  braucht  auch  kaum  daran  erinnert  zu
werden,  dass  selbst  seine  Gesammtentwicklung  weit  hinter  den
1200  Stadien  des  Strabo  zurückbleibt.  Nicht  viel  besser  steht
es  mit  der  Schiffbarkeit  und  Länge  des  Isonzo  und  noch  weit
unbedeutender  sind  die  anderen  Küstenflüsse,  die  dem  Golfe
von  Triest  zueilen.  Ist  demnach  auch  keine  Verwechslung
mit  einem  anderen  Flusse  der  Umgebung  denkbar,  so  wird
man  sich  bescheiden  müssen,  die  Ortsbestimmung  Strabo’s  zu
jenen  Irrthümern  und  Märchen  zu  zählen,  die  bei  Griechen
und  Römern  über  die  Alpenländer  reichlich  im  Schwünge
waren.  Erst  die  dauernde  Römerherrschaft  verbreitete  auch
über  diese  Gegenden  ein  helleres  Licht.  Zum  Glücke  liegen
in  Strabo’s  Werke  selbst  und  in  den  Schriften  anderer  Alten
hinlängliche  Nachrichten  vor,  welche  bei  sorgfältiger  Prüfung
über  die  Lage  des  historisch  bekannten  Noreia  Aufschluss
geben.  In  dem  von  Ptolemaeus  (1.  II.  c.  11.  12)  gegebenen
Verzeichnisse  der  norischen  Städte  begegnet  uns  kein  Noreia.
Auch  Plinius,  der  im  27.  Capitel  des  3.  Buches  seiner  Naturgeschichte ­
  die  Städte  der  Provinz  Noricum  aufzählt,  meldet
dort  nichts  von  der  Existenz  eines  Noreia.  Dagegen  im  23.  Capitel ­
  desselben  Buches,  wo  Plinius  sich  noch  mit  dem  10.  Bezirke ­
  Italiens  beschäftigt,  weiss  er  zu  berichten:  In  hoc  situ
interiere  per  oram  Iramine,  Pellaon,  Palsatium,  ex  Venetis
Atina  et  Caelina,  Carnis  Segesta  et  Ocra,  Tauriscis  Noreia.
Es  kann  keinem  Zweifel  unterliegen,  dass  dieses  von  Plinius
zu  den  untergegangenen  Städten  gezählte  Noreia  kein  anderes
als  das  jedem  gebildeten  Römer  aus  der  Geschichte  seines
Volkes  wohlbekannte  sein  kann.  Aus  derselben  Nachricht  des
Plinius  geht  aber  auch  auf  das  Bestimmteste  hervor,  dass  eben
dieses  Noreia  gar  nicht  in  der  Provinz  Noricum,  sondern  eben
im  10.  Bezirke  Italiens  gesucht  werden  muss.  Um  dies  zu
verstehen,  ist  zu  erinnern,  dass  das  kaiserliche  Italien  seine
Grenze  weit  gegen  Nordosten  vorgeschoben  hatte.  Es  umfasste
nicht  blos  die  Landschaft  der  Carner  im  Flussgebiete  des  Isonzo,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.