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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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K  ohn.

zwei  andere  Beispiele  —  wenn  unmittelbar  aufeinander  folgende ­
  Stationen  mit  derselben  Ziffer  ausgestattet  erscheinen.
Auffallend  ist  also  nur  der  Umstand,  dass  sich  auch  der  Ortsname ­
  wiederholt.  Muss  aber  deswegen  eine  Station  ausgemerzt
werden,  ohne  welche  mit  dem  überlieferten  Wegmasse  unmöglich ­
  auszulangen  ist?  Konnten  denn  nicht  in  Noricum,  wo
nach  dem  Zeugnisse  zahlreicher  Denkmäler  die  göttliche  Personification
  des  Landes  allgemeine  Verehrung  genoss, 1  zwei
oder  wohl  gar  mehrere  Orte  den  Namen  Noreia  führen?  Man
versuche  nur,  die  Ortschaften  zusammenzuzählen,  die  heutzutage ­
  auf  norischem  Boden  nach  St.  G-eorg  oder  St.  Johann  zubenannt ­
  sind.  Auch  im  Alterthume  fehlt  es  keineswegs  an
Analogien.  Man  darf  sich  nur  an  die  zahlreichen  Apollonia
und  Heraclea  der  Griechen  erinnern.  Unsere  Strassenführung
bewegt  sich  in  sehr  beträchtlich  kürzeren  Bahnen  als  die  der
genannten  Schriftsteller.  Und  doch  ist  es  uns  absolut  unmöglich, ­
  auf  irgend  eine  der  in  der  Tabula  verzeichneten  Stationen
zu  verzichten.  Denjenigen,  welche  eine  Station  ausmerzten,
macht  sich  der  Abgang  nur  deswegen  nicht  fühlbar,  weil  sie
die  Entfernungen  nur  oberflächlich  schätzten,  ohne  sie  zu  messen.
Bei  Kenner  aber,  der  sorgfältiger  zu  Werke  ging,  konnte  das
gleiche  Verfahren  nicht  ohne  Folgen  bleiben.  Es  wird  sich
zeigen,  wie  er  in  Folge  der  Ausmerzung  einer  Station  zu  einer
sehr  beträchtlichen  Erhöhung  zweier  Distanzziffern  gedrängt
wird,  gerade  auf  dem  Theile  der  Strasse,  wo  die  Daten  der
Tabula  von  Seiten  des  Itinerarium  Antonini  die  kräftigste  Bestätigung ­
  erhalten.  Hätte  er,  ohne  zu  corrigiren,  Viscellae  und
die  beiden  Noreia,  so  wie  sie  sich  in  der  Tabula  darbieten,
als  selbständige  Stationen  genommen,  dann  hätte  er  nicht
nöthig  gehabt,  die  Distanzzahlen  von  Tutatio  und  Ovilavae  zu
erhöhen.  Die  Correctur  im  südlichen  Strassentheile  nöthigte
ihn  im  nördlichen  zu  zwei  neuen  Toxtänderungen.  Alle  diese
Correcturen  erweisen  sich  als  überflüssig,  wenn  man  für  Viscella,
  das  durch  seine  Ablativform,  wie  durch  die  isolirte  Stellung ­
  an  einem  besonderen  Strassenwinkel  als  selbständige

1  Note  fehlt,  im  Manuscript.  Im  C.  I.  L.  III.  2  finden  sieh  Votivinschriften  zu
*  Ehren  der  Noreia  abgedruckt  unter  Nr.  4806—4810,  dann  5123,  5188,
5193,  5300,  5613.
            
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