388
K o h n.
wornach die Römerstrasse zwischen dem Zollfelde und dem
Gurkthale die Bahn der modernen Postchaussee eingehalten
haben sollte. Die mächtige Curve, welche diese über St. Veit
beschreibt, erklärt sich durch das Motiv, einen der bedeutendsten
Orte des Landes, die einstige Residenz der kärnthnerischen
Herzoge an den Vortheilen des Handelsverkehrs theilnehmen
zu lassen. Dieses Interesse existirte aber kaum in den Zeiten
der Römer. Ihnen darf man eine so unpraktische Zeit- und
Müheverschwendung umsoweniger zumuthen, als es ihnen bekanntlich
bei jeder Strasse, die sie von Italien an die Reichsgrenzen
hinzögen, darum zu tluxn war, eine möglichst kurze
Verbindungslinie für die rasche Beförderung der Heere und
Beamten zu schaffen. Entscheidender als diese allgemeine Erwägung
ist die Thatsache, dass das knappe Meilenmass des
Krummfeldner Steines mit einem derartigen Strassenlaufe
völlig unvereinbar ist. Es gibt eine einzige von der Natur
selbst vorgezeichnete Bahn, welche mit diesem unverwerflichen
Zeugnisse zusammenstimmt: sie vermeidet die Schlangenwindungen
der modernen Poststrasse und ist auch weitaus bequemer,
weil sie sich durchaus im Flachlande bewegt. Nimmt
man an, unsere Strasse sei über St. Donat und Osterwitz in
der Richtung der heutigen Eisenbahnchaussee in das Gurkthal
hinausgezogen, und habe weiterhin in diesem über Passering,
Lind und Silberegg, wo noch zu Anfang unseres Jahrhunderts
zwei Meilensteine von Garns, Carinus und Numerianus gesehen
wurden, 1 vorbei nahezu nordwärts gestrebt, so erklärt sicli
Alles auf das Beste. Dann wird es auch verständlich, warum
sie überhaupt das an der östlichen Thalwand liegende Krumrafelden
berührt und nicht gleich der Chaussee der Neuzeit sich
in dieser Gegend an die westliche Thalwand hält. Dann, und
nur dann stimmt die Abstandsangabe des Krummfeldner Steines
A VIR. M. P. XV zur thatsächlichen Entfernung seines Fundortes
von Virunum. Dann bietet endlich auch die Ermittlung
des Standortes der Station Matucaium nicht die geringste
Schwierigkeit. Stand der fünfzehnte Meilenzeiger hinter Virunum
zu Krummfelden, so musste Matucaium, dessen Stand die
Tabula mit XIV m. p. beziffert, y s Meile südlich von
1 Carinthia, Jahrgang- 1819, Nr. 3.