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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

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Sehen  kl.

Xenophon  bezeugtes  Sokratisches  erscheinen  lasse.  Das  habe
er  aber  gewagt,  weil  keinem  Leser  verborgen  bleiben  konnte,
dass  der  Gedankeninhalt  der  Schrift  völlig  auf  Xenophon  selbst,
allerdings  einen  Sokratischen  Schüler  zurückgeht.  Er  gebrauche
nach  dem  Vorgänge  anderer  Sokratiker  in  diesem  Dialoge  das
Sokratische  Gespräch,  künstlerisch  ausgebildet,  nur  als  Form,
um  seine  selbst  erworbenen  Kenntnisse  in  einem  zusammenhängenden ­
  Systeme  niederzulegen.  Dass  der  Stoff  nicht  Eigenthum
  des  Sokrates  sei,  lasse  er  auch  deutlich  in  scherzhaften
Wendungen  durchblicken,  z.  B.  c.  2;  c.  16,  8.  15.  17  (?).  Schon
Ranke  hatte  S.  10  gesagt:  ut  pateat  in  Oeconomico  certe  Xenopliontem,
  ne  occultare  quidem  voluisse,  Socratem  disserentem  ipsius
usum  esse  thesanris,  multo  labore  et  periculo  paratis.  Doch
vermag  auch  diese  Hypothese  nicht  den  Schwierigkeiten  abzuhelfen. ­
  Erstlich  War  die  Formel  ^-/.oyca  xots  autoü  y.ai.  .  .  doch
nicht  so  feststehend,  dass  man  sogleich  aus  ihrer  Anwendung
auf  jene  Absicht  des  Verfassers  sc.hliessen  konnte;  und  wenn
dies  nicht  der  Fall  war,  was  sollte  der  Leser  mit  dem  seltsamen
Eingänge  machen?  Auch  würde  eine  solche  Absicht  mehr  einem
modernen  als  einem  antiken  Schriftsteller  anstelien,  wozu  noch
kommt,  dass  in  jener  Zeit  die  Formen  der  Composition  noch  so
einfach  und  so  fest  waren.  Dann  beruht  diese  Hypothese  auf
einer  nicht  ganz  richtigen  Ansicht  von  der  historischen  Treue
der  Denkwürdigkeiten.  Man  nimmt  gewöhnlich  an,  dass  Xenophon ­
  in  diesem  Werke  das,  was  er  selbst  gehört  oder  von
Anderen  vernommen  hatte,  ganz  getreu  und  genau  wiedergegeben ­
  habe,  wobei  er  durch  umfassende  Aufzeichnungen  unterstützt ­
  wurde.-  Ich  glaube  aber,  dass  man  diese  Schrift  ganz
bezeichnend  Dichtung  und  Wahrheit  nennen  kann.  Allerdings
hatte  Xenophon  für  alles,  was  er  mittheilte,  Anhaltspiuicte.
Im  treuen.  Gedächtnisse  hatte  er  von  vielen  Gesprächen  seines
Meisters,  bei  denen  er  selbst  zugegen  war  oder  über  die  er
Kunde  erhalten  hatte,  den  Inhalt,  zum  Theile  auch  den  Gedankengang ­
  und  einzelne  für  Sokrates  charakteristische  Wendungen ­
  bewahrt.  In  jener  Zeit,  wo  Bücher  nicht  so  leicht  zu
Gebote  standen  wie  später,  war  das  Gedächtniss  natürlich  viel
mehr  entwickelt.  Auf  dieses  Gedächtniss  beruft  er  sich  selbst
I,  3,  1  xou'wv  ei)  Ypatfw  croca  av  oia|j.vr,p.ov£ÜG(i),  von  Aufzeichnungen ­
  ist  aber  nirgends  die  Rede.  Die  Ausführung  gehört
            
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