144
S c h e n k 1.
ohne entsprechende Verbindung der Gedanken und dazu recht
dürftig erscheinen müsste.
Erwägt man nun, dass dieses Schlusscapitel in der Unklarheit
der Gedanken, in der unvermittelten Anreihung der
einzelnen Sätze, in dem Bestreben, alles auf die Spitze zu
treiben, in der Vorliebe für schöne Tiraden, in der Unfähigkeit
sich verständlich auszudrücken, in dem mangelhaften Satzbaue,
endlich in dem eigenthümlichen Gebrauche von Wörtern
und Wortformen, welcher auf die Periode nach Alexander dem
Grossen hinweist, entschiedene Aelinlichkeit mit den anderen
interpolierten Stellen bat, wie wir sie im Vorhergehenden nachgewiesen
haben, so liegt die Vermuthung nahe, dass diese
Interpolationen sämmtlich von einem und demselben Fälscher
und Ueberarbeiter unserer Schrift herrühren. Wie wir gesehen
haben, ist derselbe mit den historischen Verhältnissen nur
nothdürftig bekannt, über das attische Rechtswesen hat er verkehrte
Anschauungen (vgl. die Bemerkungen zu II, 1, 4, IV, 4, 4),
er kennt bereits die theologischen Lehren der Stoiker (vgl. die
Bemerkung zu IV, 3, 13), sein Stil, wenn er auch sichtlich
bestrebt ist den Xenophon zu copieren, weicht doch vielfach
vom Atticismus ab und hat die Färbung der sogenannten zoivv)
oiotlezTO?. Nach alle dem war der Mann kein Athener und
lebte nach Alexanders Zeit.
Von ihm rührt, wie die Proömien und Epiloge zeigen,
die Eintheilung der Schrift in vier Bücher her, denen er einen
ziemlich gleichen Umfang zu geben bemüht war. Das erste
Buch entspricht an Grösse ganz dem zweiten; das dritte ist
nur ein wenig stärker als die beiden vorhergehenden, vielleicht
deshalb, weil, wie ich schon früher angedeutet habe, der Ueberarbeiter
die Stelle IV, 1 als Proömium des vierten Buches
benützen wollte. Für das vierte Buch scheint der vorhandene
Stoff nicht ausgereicht zu haben und daher erklärt es sich,
dass der Ueberarbeiter durch grössere Interpolationen diesem
Buche die erforderliche Fülle und einen gleichen Umfang wie
dem dritten zu geben suchte.
Aber, wird man sagen, wie kam denn Jemand auf den
Gedanken eine solche Ueberarbeitung vorzunehmen? Das Buch
muss doch einen Schluss gehabt haben; mit IV, 7 konnte es
unmöglich endigen. Wo ist dieser Schluss hingekommen?