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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Xenophontische  Studien.

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Sache  so  liegt,  dass  Sokrates  nichts  von  seiner  gewohnten  Art
aufgeben  wollte,  um  sein  Leben  zu  retten.  An  den  Worten
oia  to  .  .  .  £uaveX0Y)  möchte  ich  im  Allgemeinen  keinen  Anstoss
nehmen  (denn  Xenophon  schrieb  ja  sein  Buch  nicht  bloss  für
die  Athener),  wol  aber  an  dem  Ausdrucke,  der  unbestimmt
und  unklar  ist.  Zu  t'ov  Ss  vöjj.ov  .  .  .  musste  doch  ,in  Athen',  zu
Oswpia  ,die  man  jährlich  absendet'  hinzugefügt  werden,  wenn
anders  die  Sache  verständlich  sein  sollte.  Dem  Interpolator  ist
das  bekannte:  Brevis  esse  laboro,  obscurus  fio  begegnet.  Er
hatte,  wie  schon  Geel  S.  21  bemerkt,  den  Eingang  des  Platonischen ­
  Phaidon  vor  Augen,  dem  er  auch  für  das  Vorhergehende ­
  manche  Färbung  entlehnte.  Darum  ist  auch  auf  die
Notiz  TpioaovTa  %i.spap  nichts  zu  geben  (Geel  S.  22);  sie  beruht
nicht  auf  urkundlicher  Gewähr,  sondern  ist  bloss  erschlossen.
Dass  dieselbe  Zahl  in  der  14.  Soldatischen  Epistel  vorkommt,
ist  kein  Beweis  für  ihre  Zuverlässigkeit;  denn  der  Verfasser
derselben  hat  sie  höchst  wahrscheinlich  aus  unserer  Stelle  entnommen. ­
  Wir  werden  uns  also  mit  dem  unbestimmten  irobu?
Zpovo?  des  Platon  begnügen  müssen.  Den  ungeschickten  Ausdruck ­
  yj  Gewpta  .  .  .  eiravekOyi  haben  schon  Stephanus  und  Ruhnken
gerügt.  Ueber  den  dritten  Paragraph  mit  seinen  gehäuften
Fragen  und  lächerlichen  Schlüssen  hat  Schneider  mit  Recht
gespottet.  Wenn  irgendwo,  so  verräth  sich  hier  der  Sophist.
Selbst  Sauppe  hat  diese  Stelle  in  seiner  Ausgabe  eingeklammert. ­
  Und  wie  hängt  dieses  oütw?  vor  axoOavoi  in  der  Luft!
Um  es  zu  erklären,  verfiel  man  auf  den  verzweifelten  Ausweg
es  auf  euQ'jp.wi;  te  -/.ai  eunoXw?  zu  beziehen.  Man  sieht,  der  Interpolator ­
  konnte  stammeln,  aber  nicht  reden.  Wie  ungeschickt
ist  ferner  die  Anknüpfung  des  Gespräches  mit  Hermogenes
durch  die  Worte:  äl  y.at  .  .  .  Dieses  Gespräch  liefert  die
eigentliche  Widerlegung  jenes  Vorwurfes,  der  im  Eingänge
unseres  Capitels  angedeutet  ist;  es  hätte  daher,  wie  der  wackere
Schneider  erkannt  hat,  gleich  nach  diesem  folgen  sollen.  Weil
aber  der  Interpolator  seine  schönen  Tiraden  anbringen  wollte,
so  hat  er  es  erst  später  gesetzt  und  so  unpassend  an  das  Vorhergehende ­
  angeschlossen  (hinsichtlich  der  Verbindungs  Worte
vgl.  I,  4,  2).  Ob  nun  dieses  Gespräch  wirklich,  wie  Ilug  annimmt, ­
  aus  gut  Sokratischen  Kreisen  stammt,  lasse  ich  dahin
gestellt.  Ich  kann  mir  recht  wol  denken,  dass  dasselbe  ganz
            
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