Xenophontische Studien.
139
Sache so liegt, dass Sokrates nichts von seiner gewohnten Art
aufgeben wollte, um sein Leben zu retten. An den Worten
oia to . . . £uaveX0Y) möchte ich im Allgemeinen keinen Anstoss
nehmen (denn Xenophon schrieb ja sein Buch nicht bloss für
die Athener), wol aber an dem Ausdrucke, der unbestimmt
und unklar ist. Zu t'ov Ss vöjj.ov . . . musste doch ,in Athen', zu
Oswpia ,die man jährlich absendet' hinzugefügt werden, wenn
anders die Sache verständlich sein sollte. Dem Interpolator ist
das bekannte: Brevis esse laboro, obscurus fio begegnet. Er
hatte, wie schon Geel S. 21 bemerkt, den Eingang des Platonischen
Phaidon vor Augen, dem er auch für das Vorhergehende
manche Färbung entlehnte. Darum ist auch auf die
Notiz TpioaovTa %i.spap nichts zu geben (Geel S. 22); sie beruht
nicht auf urkundlicher Gewähr, sondern ist bloss erschlossen.
Dass dieselbe Zahl in der 14. Soldatischen Epistel vorkommt,
ist kein Beweis für ihre Zuverlässigkeit; denn der Verfasser
derselben hat sie höchst wahrscheinlich aus unserer Stelle entnommen.
Wir werden uns also mit dem unbestimmten irobu?
Zpovo? des Platon begnügen müssen. Den ungeschickten Ausdruck
yj Gewpta . . . eiravekOyi haben schon Stephanus und Ruhnken
gerügt. Ueber den dritten Paragraph mit seinen gehäuften
Fragen und lächerlichen Schlüssen hat Schneider mit Recht
gespottet. Wenn irgendwo, so verräth sich hier der Sophist.
Selbst Sauppe hat diese Stelle in seiner Ausgabe eingeklammert.
Und wie hängt dieses oütw? vor axoOavoi in der Luft!
Um es zu erklären, verfiel man auf den verzweifelten Ausweg
es auf euQ'jp.wi; te -/.ai eunoXw? zu beziehen. Man sieht, der Interpolator
konnte stammeln, aber nicht reden. Wie ungeschickt
ist ferner die Anknüpfung des Gespräches mit Hermogenes
durch die Worte: äl y.at . . . Dieses Gespräch liefert die
eigentliche Widerlegung jenes Vorwurfes, der im Eingänge
unseres Capitels angedeutet ist; es hätte daher, wie der wackere
Schneider erkannt hat, gleich nach diesem folgen sollen. Weil
aber der Interpolator seine schönen Tiraden anbringen wollte,
so hat er es erst später gesetzt und so unpassend an das Vorhergehende
angeschlossen (hinsichtlich der Verbindungs Worte
vgl. I, 4, 2). Ob nun dieses Gespräch wirklich, wie Ilug annimmt,
aus gut Sokratischen Kreisen stammt, lasse ich dahin
gestellt. Ich kann mir recht wol denken, dass dasselbe ganz