Xenopliontische Studien.
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schlägt er, aber auch bloss vorübergehend, einen etwas herben
Ton an (I, 2, 2G). So begnügte er sich denn auch damit, den
Polykrates als xai^yopo? mit deutlicher Anspielung auf den
Titel seiner Schrift zu bezeichnen. Es war ihm bloss um die
Sache und nicht um die Personen zu tlmn; Namen waren ihm
gleichgiltig. Ein Missverständnis des Ausdruckes 6 xanjyopcx;
war, wie schon bemerkt, wegen des Gegensatzes zu ol ypatpd-|tevoc
(o ypatidjji.svo(;) nicht möglich; zudem war die xavrjyopta
SwxpdToup des Polykrates damals so allgemein verbreitet, dass
Jedermann bei dem Erscheinen der Schrift unter dem xaTvjyopo?
diesen Sophisten verstehen musste.
Es erhellt aus dem Gesagten, dass die Apomnemoneumata
wesentlich unter dem Einflüsse und in Folge der Anregung
jener xoa-pyopG entstanden sind; aber die Tendenz der Schrift
geht viel weiter als auf eine blosse Widerlegung jener Declamation,
wie sich dies schon aus der im Verhältnisse zum Ganzen
geringen Ausdehnung jener Stelle ergibt, in welcher die xcrcr,-yopta
berücksichtigt ist. Der Zweck ist vielmehr ein treues,
lebendiges Bild des Sokrates, hinsichtlich seines ganzen geistigen
Wesens, seiner Anschauungen, der Methode seiner Forschung,
seiner Einwirkung auf die, welche mit ihm verkehrten, zu
entwerfen. Die Schrift ist somit eine förmliche Ehrenrettung
des Sokrates, ein Nachweis, wie ungerechtfertigt seine Verurtheilung
war. Sie ist an das gesammte hellenische Publicum
gerichtet, wie dies aus den Eingangsworten hervorgeht, damit
dieses über das Verfahren der Athener entscheide. Man sieht
hieraus, wie viel Gewicht der Behauptung Breitenbachs S. 814
,Xenophon schrieb seine Erinnerungen an Sokrates doch nicht
bloss für seine unmittelbaren Zeitgenossen' beizulegen ist.
II.
Die Apomnemoneumata werden im Alterthiune verbaltnissmässig
wenig, viel seltener als die Anabasis citiert. Daher
können wir uns auch von dem Zustande des Textes vor Stobäus,
also vor dem sechsten Jahrhunderte, kein ausreichendes
Bild entwerfen. In welche Zeit die Ueberarbeitung der Schrift
fällt, darüber ist im dritten Abschnitte gehandelt. Hier wollen
wir nur über die Folgerungen, die sieb aus den Citaten bei
Sitzungsber. <1. pkil.-hist. CI. LXXX. ßd. I. Hft. 7