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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 80. Band, (Jahrgang 1875)

Xenopliontische  Studien.

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schlägt  er,  aber  auch  bloss  vorübergehend,  einen  etwas  herben
Ton  an  (I,  2,  2G).  So  begnügte  er  sich  denn  auch  damit,  den
Polykrates  als  xai^yopo?  mit  deutlicher  Anspielung  auf  den
Titel  seiner  Schrift  zu  bezeichnen.  Es  war  ihm  bloss  um  die
Sache  und  nicht  um  die  Personen  zu  tlmn;  Namen  waren  ihm
gleichgiltig.  Ein  Missverständnis  des  Ausdruckes  6  xanjyopcx;
war,  wie  schon  bemerkt,  wegen  des  Gegensatzes  zu  ol  ypatpd-|tevoc
  (o  ypatidjji.svo(;)  nicht  möglich;  zudem  war  die  xavrjyopta
SwxpdToup  des  Polykrates  damals  so  allgemein  verbreitet,  dass
Jedermann  bei  dem  Erscheinen  der  Schrift  unter  dem  xaTvjyopo?
diesen  Sophisten  verstehen  musste.
Es  erhellt  aus  dem  Gesagten,  dass  die  Apomnemoneumata
wesentlich  unter  dem  Einflüsse  und  in  Folge  der  Anregung
jener  xoa-pyopG  entstanden  sind;  aber  die  Tendenz  der  Schrift
geht  viel  weiter  als  auf  eine  blosse  Widerlegung  jener  Declamation,
  wie  sich  dies  schon  aus  der  im  Verhältnisse  zum  Ganzen
geringen  Ausdehnung  jener  Stelle  ergibt,  in  welcher  die  xcrcr,-yopta
  berücksichtigt  ist.  Der  Zweck  ist  vielmehr  ein  treues,
lebendiges  Bild  des  Sokrates,  hinsichtlich  seines  ganzen  geistigen
Wesens,  seiner  Anschauungen,  der  Methode  seiner  Forschung,
seiner  Einwirkung  auf  die,  welche  mit  ihm  verkehrten,  zu
entwerfen.  Die  Schrift  ist  somit  eine  förmliche  Ehrenrettung
des  Sokrates,  ein  Nachweis,  wie  ungerechtfertigt  seine  Verurtheilung
  war.  Sie  ist  an  das  gesammte  hellenische  Publicum
gerichtet,  wie  dies  aus  den  Eingangsworten  hervorgeht,  damit
dieses  über  das  Verfahren  der  Athener  entscheide.  Man  sieht
hieraus,  wie  viel  Gewicht  der  Behauptung  Breitenbachs  S.  814
,Xenophon  schrieb  seine  Erinnerungen  an  Sokrates  doch  nicht
bloss  für  seine  unmittelbaren  Zeitgenossen'  beizulegen  ist.
II.
Die  Apomnemoneumata  werden  im  Alterthiune  verbaltnissmässig
  wenig,  viel  seltener  als  die  Anabasis  citiert.  Daher
können  wir  uns  auch  von  dem  Zustande  des  Textes  vor  Stobäus,
  also  vor  dem  sechsten  Jahrhunderte,  kein  ausreichendes
Bild  entwerfen.  In  welche  Zeit  die  Ueberarbeitung  der  Schrift
fällt,  darüber  ist  im  dritten  Abschnitte  gehandelt.  Hier  wollen
wir  nur  über  die  Folgerungen,  die  sieb  aus  den  Citaten  bei
Sitzungsber.  <1.  pkil.-hist.  CI.  LXXX.  ßd.  I.  Hft.  7
            
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