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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

Wenn  sieh  der  Rubin  beschaut  mit  Wonne,
Gilt  das  Wohlgefallen  nur  der  Sonne,
Wen  die  Sonne  selber  liebt  als  Freund,
Ist  es  nur  weil  ihn  ihr  Licht  beschein  t,
Sei’s,  dass  der  Rubin  sich  selber  liebt,
Sei’s,  dass  Sonne  ihm  die  Liebe  gibt,
Ist  es  eines  und  dasselbe  ganz,
Beides  ist  nur  Ostens  Licht  und  Glanz,
Eh’  der  Stein  Rubin,  ist  er  sich  feind,
Weil  ein  doppelt  Ich  in  ihm  erscheint;
Denn  der  Stein  ist  schwarz,  und  Finsternisn
Ist  dem  Lichte  feindlich  für  gewiss.
Liebt  er  sich,  so  ist  er  undankbar,
Weil  er  Ausfluss  nur  der  Sonne  war,
Nimmer  ziemt  sich's,  dass  er  lobe  sich,
Weil  in  Finsterniss  der  Glanz  verblich,
Ich  sprach  Pharao  und  ward  verdammt,
Doch  das  Ich  Manfsur’s  von  Wahrheit  stammt,
Jenes  Ich  ist  ewig  hin  verdammt
Dieses  Ich  hat  Gottes  Lieb’  entflammt,
Jenes  Kiesel,  dieses  Karniol,
Jenes  finster,  dies  vom  Lichte  voll
Jenes  Ich  war  kalter  Uebermuth,
Dieses  der  Verschmelzung  reinste  Gluth,
Trachte  zu  veredlen  schwarzen  Stein,
Um  zu  werden  zum  Rubine  rein,
Harr’  im  Kampfe  dieses  Kerkers  aus,
Dauer  schaue  im  Vernichtungsgraus,
So  wird  minder  stets  in  dir  der  Stein,
Wirst  zuletzt  Rubin  geworden  sein,
Denn  verschwunden  wird  in  dir  das  Sein,
Und  dein  Kopf  so  mehr  betrunken  sein;
Sei  so  viel  als  du  vermagst  nur  Ohr,
Und  als  Olirgehäng  Rubin  davor,
Grab’  wie  Brunnengräber  auf  die  Stolle,
Dass  vom  Staub  du  kommest  zu  der  Quelle,
Wann  begünstigt  Gott  des  Grabens  Lauf.
Springt  der  reine  Quell  des  Lebens  auf;
Grabe  munter,  bei  der  Arbeit  wach,
Leg’  bereit  die  Erde  nach  und  nach,
Wer  sich  Mühe  gibt,  stösst  auf  den  Schatz
Wer  mit  Ernst  angreift,  kömmt  auf  den  Platz  :
Niederwerfen  sich  bei  dem  Gebet
Ist  der  Ring  des  Thors,  sprach  der  Prophet,
Wer  an  diesem  Ring  mit  Einsicht  ring’t,
Auch  das  Glück  herabzusteigen  zwingt.
            
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