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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

reichischen  Provinzen  angenommenen  Grundsätze  auch  in  Ungern
und  seinen  Nebenländern  geltend  gemacht,  wo  sie  aber  noch
schwerer  als  in  den  westlichen  Ländern  Wurzel  schlugen.  Das  aber
war  durch  die  seit  1770  stattgefundenen  Unterrichtsreformen  doch
erreicht,  dass  die  deutsche  Sprache  sich  schnell  verbreitete  und
von  den  jungem  Leuten  besser  gesprochen  und  geschrieben  wurde,
als  es  noch  um  1770  der  Fall  gewesen  war.
In  den  letzten  Jahren  seiner  Regierung  hatte  Joseph  einige
Verfügungen  getroffen,  wodurch  das  Feudalsystem  in  den  sämmtlichen
  ungrischen,  böhmischen,  österreichischen  und  galizischen
Provinzen  erlosch.  Diese  Massregeln  und  ein  Krieg  gegen  die
Türken  (s.  1788),  bei  dessen  glücklichen  Wendungen  Preussen
(1789)  mit  den  Türken  und  den  Polen  sich  alliirte,  um  dem  österreichischen ­
  Hofe  die  Früchte  des  Sieges  zu  entreissen,  verwickelten ­
  die  Lage  des  Monarchen,  welcher  noch  überdies  mit
dem  Factionsgeiste  zu  kämpfen  halte.  Dadurch  erklärt  es  sich,
dass  von  der  Regierung  dem  österreichischen  Unterrichtswesen,
ungeachtet  der  im  verschiedenen  Sinne  gegen  dasselbe  erhobenen
Klagen  in  den  letzten  Regierungsjahren  Joseph’s  II.  nicht  jene
Aufmerksamkeit  zugewendet  werden  konnte,  welche  es  verdiente.
Es  erklärt  sich  aber  auch  dadurch,  dass  in  jenem  Principienstreite,
welcher  in  den  österreichischen  Staaten  sich  vorbereitete,  der
öffentliche  Unterricht  einen  der  Hauptgegenstäude  für  die  verschiedenen ­
  Parteien  machen  musste.  Viele  Freunde  des  alten
Regierungssystems  wollten  das  Schulwesen,  wie  es  um  das  Jahr
1760  gewesen  war,  ganz  oder  doch  nur  mit  unbedeutenden  Modificationen
  wieder  haben;  die  Neuerungspartei  sah  aber  in  dieser
Tendenz  die  Bedrohung  der  sämmtliclien  seit  1748  eingeführten
Staatsreformen;  viele  Menschen  jedoch  und  darunter  vorzüglich
die  Geschäftsmänner  waren  Eklektiker,  welche  Altes  und  Neues
zusammensetzen  wollten,  ohne  viel  die  Grundsätze  zu  untersuchen
und  den  Zusammenhang  ihrer  Ideen  mit,  dem  ganzen  politischen
Zustande  des  Staates  zu  erwägen.
Als  Leopold  II.  (20.  Februar  1790)  zur  Regierung  kam,  betrachtete ­
  er  es  als  die  erste  seiuer  Aufgaben,  der  Aufregung,  Welche
durch  viele  der  Josephinischen  Reformen  im  Staate  'entständen
war,  ein  Ende  zu  machen.  Für  diesen  Zweck  erfolgte  eine  AttP* ;
hebung  der  grelleren  Massregeln  der  früheren  Periode,  und  eine
            
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