Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

744

Am  meisten  beschäftigten  den  Kaiser  jene  in  den  Feudalverhältnissen, ­
  dem  Religionsfache,  der  Justiz  und  den  Ständeverfassungen.
Wegen  dieser  Reformen  wurde  auf  jene  im  Unterrichtsfache  weniger ­
  Aufmerksamkeit  verwendet,  wozu  wohl  auch  beitrug,  dass  die
meisten  Sfudieneinrichtungen,  welche  seit  17G5  waren  getroffen
worden,  mit  Zustimmung  des  Thronfolgers  oder  wenigstens  in  seinem ­
  Sinne  geschehen  waren,  und  also  in  der  Hauptsache  bereits
dasjenige  da  war,  was  der  Monarch  gewünscht  hatte.
Inzwischen  konnte  es  nicht  fehlen,  dass  nicht  die  unruhige
Thätigkeit  jener  Periode  und  der  Wunsch,  schnell  alles  Missfällige
abgeändert  zu  sehen,  auch  in  der  Leitung  des  tiffentlichen  Unterrichtes ­
  sich  geltend  machte.  Die  Männer,  welche  den  Monarchen
umgaben,  wünschten,  dass  sich  sowohl  die  Lehrer  an  den  Volksschulen ­
  als  auch  jene  an  den  hohen  Schulen  für  die  sämmtlichen
  Reformen  im  Staate  wirksam  zeigten.  Dies  drängte  die
wissenschaftliche  Thätigkeit  in  den  Hintergrund,  und  machte
einige  Veränderungen  in  der  Gesetzgebung  nothwenflig,
Vor  Allem  schien  die  Vermehrung  der  Volksschulen  notliwendig,
wozu  (1783)  auch  die  Josephinische  Pfarr-Regulirung,  die  eine
beträchtliche  Anzahl  neuer  Pfarren  und  Localcapellaneien  schuf,
beitrug.  Die  meisten  der  jüngeren  Schullehrer  machten  damals  die
thätigsten  Agenten  der  Neuerung,  sie  bekämpften  die  Volksdialekte ­
  und  Alles,  was  man  zu  jener  Zeit  Aberglauben  nannte,  wodurch
sie  sich  viele  Feinde  machten.  Bei  allem  dem  war  ihr  Benehmen
hinsichtlich  der  Neuerungen  sehr  natürlich;  man  hatte  in  den  geleseneren
  Büchern  so  viel  vou  der  Wichtigkeit  des  Schullehrerstandes,
von  der  Aufgabe  welche  ihn  erwarte,  und  von  den  Belohnungen
welche  ihm  gebühren,  gelesen,  dass  es  nicht  zu  verwundern  war,
wenn  junge  Männer,  welche  die  allgemeine  Lage  des  Staates
nicht  übersehen  konnten,  sich  allzuglänzeuden  Erwartungen
über  das,  was  für  das  Ganze  und  für  sie  erreichbar  sei,  überliessen.

An  den  Gymnasien  war  die  wichtigste  Neuerung  die,  dass  man,
(27.  November  1783)  bei  dem  allgemeinen  Grundsätze  die  alten
Bruderschaften  aufzuheben,  auch  die  unter  den  Studierenden  weit
verbreiteten  marianischen  Congregationcn  aufhob.  Eben  so  hob  man
viele  Studentenseminarien  und  Convicte  auf,  weil  man  von  der
Erziehung  in  Communifäten  nicht  viel  Gutes  erwartete,  und  verwan-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.