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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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zur  Aufsicht  zugetheilt  würden.  Die  Schulen  würden  die  Verrichtungen ­
  derselben  erleichtern,  wenn  jeder  Bürger  seine  Kinder
ordentlich  dorthin  zu  senden  verbunden  wäre,  und  die  Aufsicht ­
  über  die  Erziehung  mit  der  Aufsicht  über  die  Schulen  verbunden ­
  wäre.  Diese  Magistrate  und  Erziehungspläne  würden  das
Mittel  zwischen  der  allgemeinen  öffentlichen  und  der  Privaterziehung ­
  halten,  den  Nachthcilen  von  beiden  ausweichen  und  ihre  Vortheile ­
  glücklich  vereinbaren.”
Sonnenfels  räth  ferner,  den  von  ihm  vorgeschlagenen  Aufsehern ­
  der  Erziehung  für  den  Zweck  ihres  Amtes  eine  grosse  Gewalt ­
  gegen  nachlässige  oder  lasterhafte  Eltern  anzuvertrauen  und
in  Hinsicht  auf  die  Anzahl  der  Volksschulen  trägt  er  ‘)  kein  Bedenken, ­
  zu  sagen  :  ,,Es  ist  nicht  genug,  dass  die  Hauptstädte  mit
Schulen  versehen  sind,  der  Staat  muss  es  dem  kleinsten  Do  rfe
an  einem  so  notliweudigen  Stücke  zur  Bildung  der  Sitten  nicht
fehlen  lassen.  —  Die  Schulen  müssen  auf  öffentliche  Kosten  unterhalten ­
  werden,  damit  das  Unvermögen  Niemand  abhalte,  den
nothvvendigen  Unterricht  zu  empfangen.  Die  Unvermögenden  wachsen ­
  nicht  weniger  als  die  Reichen  zu  Bürgern  heran.  Alle  Kinder,
auch  auf  dem  Lande,  sollen  im  Lesen,  Schreiben  und  Rechnen
unterrichtet  werden.”  An  einem  andern  Orte 2 )  sagt  Sonnenfels:
„der  Schulmeister  sollte  wenigstens  der  erste  in  jedem  Orte  sein.”
Die  hier  angeführten  Stellen  von  Sonnenfels  kamen  in  seinem
von  der  Regierung  approbirten  Lehrbuche  vor,  sie  haben  aber  nicht
nur  diese  Autorität  für  sich,  sondern  drücken  auch  dasjenige
aus,  was  in  der  Periode  von  1764  bis  1779  eine  in  den  deutschen ­
  Staaten  weit  verbreitete  Partei  wollte.  Die  blosse  Realisirung
  dieser  Vorschläge  wäre  ein  völliger  Umsturz
der  seit  Jahrhunderten  bestandenen  Ordnung  gewesen.  Allein,
so  weit  zu  gehen,  fand  die  österreichische  Staatsverwaltung ­
  nicht  angemessen,  nur  der  Gedanke  kam  empor,  den
Volksunterricht  ganz  in  die  Hand  der  Staatsbehörden  zu  legen,
auf  eine  andere  Bildung  der  Schullehrer  bedacht  zu  sein  ,  den
Schulzwang  einzuführen,  vorläufig  aber  zur  Bildung  künftiger
Schullehrer  und  als  Anfang  der  Schulreform  in  den  grossen  Städten ­
  sogenannte  Normalschulen  zu  errichten.  Im  Jahre  1770  wurde
*)  Polizei,  Aull,  von  1770,  S.  130,  131,
2 )  Polizei,  Aufl.  von  1770,  S.  122.
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