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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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hebräischen  Handschriften  der  k.k.  Hofbibliothek.  Zum  Glücke  trafen
wir  dann  drittens  ebenfalls  ein  vollständiges  Exemplar  auf  unserer
Ferienreise  in  Lemberg  bei  einem  Privaten,  der  es  uns  zum  Behuf
der  Correctur  auf  die  ganze  Dauer  des  Druckes  überlassen  hatte.
So  viel  es  anging,  suchten  wir  aus  diesen  dreien  einen  correclen
Text  herzustellen;  bei  abweichenden  richtigen  Lesearten  nahmen  wir
die  eine  in  den  Text  auf,  die  andere  in  das  vollständige  Verzeichniss ­
  derselben  in  unserer  hebräischen  Einleitung.
Die  zweite  von  uns  Eingangs  augekündigte  wichtige  Literaturerscheinung ­
  ist,  wie  erwähnt,  Ovid,  nämlich  seine  Metamorphosen ­
  in  hebräischer  Sprache.  Hier  finden  w’ir  den  geraden ­
  Gegensatz  von  der  Bearbeitung  Rieti’s.  Es  ist  keine  Selbstschöpfung ­
  in  dem  Sinne  und  nach  dem  Muster  Ovid’s,  sondern  die
wirkliche  Uebersetzung  seiner  Metamorphosen,  aber  nach  den
Ottaverimen  von  Anguillara  und  ebenfalls  in  hebräischen
Ottaverimen.
Marini,  Chajim  Sabbatai,  war  Arzt  und  Rabbiner  zu  Padua
in  der  ersten  Hälfte  des  achtzehnten  Jahrhunderts.  Seine  classischen
  Studien  und  seine  dichterische  Begabung  drängten  ihn  zu
einer  Arbeit,  deren  Ausführung  mehr  als  gewöhnliche  Kräfte  erforderte. ­
  Ovid  gab  den  Inhalt,  Anguillara  die  Form;  Beides  der
hebräischen  Sprache  neu  und  fremd,  daher  um  so  grössere
lockendere  Aufgabe  für  ihn,  die  Metamorphosen  in  ihrer  neuen
Gestaltung  der  hebräischen  Literatur  einzuverleiben.
Wir  sprachen  uns  oft  dagegen  aus,  dass  in  neuerer  Zeit
abendländische  Stoffe  und  Formen  in  die  hebräische  Sprache  übertragen ­
  wurden,  ohne  auf  die  Eigentlnimlichkeit  derselben  zu  sehen,
wir  nannten  diese  Verfahrungsweise:  Occidentalismus.  Marini  scheint
der  Chorführer  und  Veranlasser  zu  derartigen  späteren  Erscheinungen ­
  gewesen  zu  sein.  Die  hebräische  Sprache  und  die  Metamorphosen! ­
  Welcher  Gegensatz,  welcher  Widerspruch!
Um  so  mehr  aber  müssen  wir  diese  äusserst  gelungene  Arbeit
bewundern,  es  sind  die  Verse  Strophe  für  Strophe  genau  in
Ottaverimen  wiedergegeben,  und  das  äusserlicli  fremdartig  Scheinendeist ­
  doch  durch  die  meisterliche  Kunst  des  Uebersetzers  heimisch ­
  gemacht  worden.  Es  liegt  ein  Schmelz  auf  dem  Ganzen,  und
der  belebende  Hauch  des  Genies  machte  das  Unmögliche  möglich,
das  Nichtzuerwarteude  wiiklich  und  das  Widerstrebende  lieblich
            
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