646
Diw und Peri flieli’n nach Ufern, Bergen,
Um sich vor dem Menschen zu verbergen;
Feinde gibt es, heimliche, genug,
Doch behutsam ist der Mensch und klug.
Auf die Herzen wirken die verborg’nen Wesen,
Sei’s mit ihrem Guten, sei’s mit Bösem,
Dornen werden in dem Wasser sein,
Die Dich ritzen, wenn Du steigst hinein,
Tausend Listen wirken auf Dich ein,
Wenn ein einz’ger hat auch nur den Schein,
Merke auf hei umgewandten Sinnen,
Um den Schwierigkeiten zu entrinnen.
Dass alsdann Dir werde hell und klar,
Wer Versucher, wer Eingeber war.
Der Commentar gibt sich viele Mühe, das Dunkel der letzten
Verse aufzuhellen, was seinen Vorgängern S chemii und Sorüri
nicht geglückt; er erklärt, dass hier von den verborgenen Einwirkungen
guter und böser Geister auf den Menschen die Rede sei,
welche oben als Peri und Diw bezeichnet werden; die Peri’s
und Diwe, d. h. die guten und bösen Geister, verbergen sich zwar
vor dem Menschen, dessen überlegenes Wissen sie scheuen, an
Gestaden des Meeres und in Wüsten, aber sie wirken von ihren
Schlupfwinkeln auf den Menschen ein, so auch die Teufel und die
Engel, und erst mit umgewandten Sinnen kann der Mensch erkennen
, was teuflische Einflüsterung oder himmlische Eingebung sei.
Manche Absätze bestehen, wie dieser hier zur Probe ganz übersetzte,
aus solchen Betrachtungen und Andeutungen, welche ohne
die Erläuterung des Commentars für immer dunkel bleiben würden 1 ).
Dass vor ihm bebt der Tiger und der Leu,
Das Herz erzittert in der See dem Hai,
Und Feen und Diwe an verborg'ne Stätten,
Oede Gestade ilieh’n, um sich zu retten.
') Trotz des Commentars hat Rosen die zwei letzten Verse:
ta suclianliai kian redd kerdei
ta kianra serweri chod kerdei,
welche wörtlich heissen:
Dass (Du wissest) welcher (Geister) Worte Du zurückgewiesen,
Und welche Du zu Deinen Führern erkiesen,
folgondermassen übersetzt:
Dass fern Du bleibest da dem bösen Worte,
Und wählest Dir das gute Wort zum Horte.