Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

kS

Der  fünfte  und  letzte  Gesang  dieses  ersten  Theiles  bespricht
nun  ferner  das  Buch  der  Kategorien  des  Aristoteles  nach  der  Auslegung ­
  Ibn  Roschd’s,  mit  Rücksichtnahme  auf  einige  Ergänzungen
des  genannten  R.  Levi  ben  Gerfon.  Hier  zeigt  er  besonders  seine
Meisterschaft  in  Aufzählung  und  Erklärung  der  zehn  Kategorien
des  Aristoteles  mit  einer  Ausführlichkeit,  die  nur  in  Schranken
gehalten  wird  durch  die  Kürze  des  Gedichtes  und  den  Zwang  der
Reime.  Vorzüglich  entwickelt  er  hier  eine  merkwürdige  Kenntniss
der  philosophischen  Wissenschaften,  ein  allseitiges,  heimisches
Bewandertsein,  das  ein  tiefes  Studium  und  ein  geregeltes,  systematisches ­
  Denken  voraussetzt.  Es  ist  ein  kostbares  Bild  in  einem
der  schönsten  Rahmen.
Der  zweite  Theil,  den  er:  Hekal,  Tempel,  nennt,  beginnt
mit  einer  Schilderung  des  himmlischen  Tempels,  in  welchem
die  abgeschiedenen  frommen  Seelen  der  Vorväter  versammelt  sind.
Er  sah  die  Erzväter,  dann  Moses  und  die  Propheten,  die  Talmud-Verfasser
  und  die  Geonim,  und  die  späteren  frommen  Gelehrten
alle,  jeden  nach  seinem  Range  in  einem  besonderen  paradiesischen
Thronorte,  die  Annehmlichkeiten  und  überirdischen  Vergnügungen
der  Seligkeit  geniessend.  Auch  leere  Stühle  sah  er,  für  die  noch
in  Zukunft  herankommenden  Geister  bestimmt.  Dieser  Gesang
fängt  mit  den  Worten:  Hekal  kodesch,  heiliger  Tempel  u.  s.  w.  an,
so  dass  er  an  der  Spitze  den  Namen  des  Ganzen  trägt.
Von  dem  darauf  folgenden  zweiten  Gesang,  welcher  mit  den
Worten:  Meon  lia-Schoalim  anfängt,  und  der  eigentlich  aus  dem
ganzen  Werke  allein  von  den  Bibliographen  am  meisten  gekannt
ist,  existirt  eine  italienische  Uebersetzung,  ebenfalls  in  terza  rima
von  der  römischen  Dichterin  Debora  Ascarelli.  Es  ist  eine  Hymne
wahrhaft  poetischen  Werthes.  Die  Sprache  fliessend  und  angenehm,
die  Gedanken  herzrührend,  fromm  und  voller  Ergebuug.
Genannte  Uebersetzung  wurde  zusammen  mit  dem  Originaltexte ­
  des  Gesanges  zu  Venedig  im  Jahre  1602  von  David  della
Rocca  in  Druck  gegeben,  und  ist  gegenwärtig  so  selten  geworden,
dass  ich  sie  mit  vieler  Mühe  kaum  auftreiben  konnte.  Ich  wendete
mich  desshalb  an  meinen  geehrten  Freund,  Herrn  Professor  Samuel
David  Luzzatto  in  Padua,  der  mich  wiederum  an  den  um  die
hebräische  Literatur  hochverdienten  Herrn  J.  S.  Reggio  in  Görz,
als  den  einzigen  Besitzer  dieses  alten  interessanten  Biichelchens
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.