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Der fünfte und letzte Gesang dieses ersten Theiles bespricht
nun ferner das Buch der Kategorien des Aristoteles nach der Auslegung
Ibn Roschd’s, mit Rücksichtnahme auf einige Ergänzungen
des genannten R. Levi ben Gerfon. Hier zeigt er besonders seine
Meisterschaft in Aufzählung und Erklärung der zehn Kategorien
des Aristoteles mit einer Ausführlichkeit, die nur in Schranken
gehalten wird durch die Kürze des Gedichtes und den Zwang der
Reime. Vorzüglich entwickelt er hier eine merkwürdige Kenntniss
der philosophischen Wissenschaften, ein allseitiges, heimisches
Bewandertsein, das ein tiefes Studium und ein geregeltes, systematisches
Denken voraussetzt. Es ist ein kostbares Bild in einem
der schönsten Rahmen.
Der zweite Theil, den er: Hekal, Tempel, nennt, beginnt
mit einer Schilderung des himmlischen Tempels, in welchem
die abgeschiedenen frommen Seelen der Vorväter versammelt sind.
Er sah die Erzväter, dann Moses und die Propheten, die Talmud-Verfasser
und die Geonim, und die späteren frommen Gelehrten
alle, jeden nach seinem Range in einem besonderen paradiesischen
Thronorte, die Annehmlichkeiten und überirdischen Vergnügungen
der Seligkeit geniessend. Auch leere Stühle sah er, für die noch
in Zukunft herankommenden Geister bestimmt. Dieser Gesang
fängt mit den Worten: Hekal kodesch, heiliger Tempel u. s. w. an,
so dass er an der Spitze den Namen des Ganzen trägt.
Von dem darauf folgenden zweiten Gesang, welcher mit den
Worten: Meon lia-Schoalim anfängt, und der eigentlich aus dem
ganzen Werke allein von den Bibliographen am meisten gekannt
ist, existirt eine italienische Uebersetzung, ebenfalls in terza rima
von der römischen Dichterin Debora Ascarelli. Es ist eine Hymne
wahrhaft poetischen Werthes. Die Sprache fliessend und angenehm,
die Gedanken herzrührend, fromm und voller Ergebuug.
Genannte Uebersetzung wurde zusammen mit dem Originaltexte
des Gesanges zu Venedig im Jahre 1602 von David della
Rocca in Druck gegeben, und ist gegenwärtig so selten geworden,
dass ich sie mit vieler Mühe kaum auftreiben konnte. Ich wendete
mich desshalb an meinen geehrten Freund, Herrn Professor Samuel
David Luzzatto in Padua, der mich wiederum an den um die
hebräische Literatur hochverdienten Herrn J. S. Reggio in Görz,
als den einzigen Besitzer dieses alten interessanten Biichelchens