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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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Dem  Geiste  der  hebräischen  Sprache  und  ihrer  vorzüglich
moralischen  Literatur  lag  wohl  der  dritte  Theil  der  Commedia,
das  Paradies,  näher,  und  ist  auch  in  der  Thal  dies  Werk  demselben ­
  vorherrschend  ähnlich;  aber  die  vorangeschickten  Theile  der
Commedia,  das  Fegefeuer  und  die  Hölle,  auch  diese  müssten  vertreten ­
  sein,  sollte  das  Werk  eine  Rundung  und  Vollständigkeit  besitzen. ­

Und,  wie  wir  es  jetzt  vor  Augen  sehen,  stellt  es  auch  nichts
Anderes  als  ein  Bild  der  ganzen  Commedia  dar.  Hölle  und  Paradies ­
  sind  hier  durch  ein  sinniges  Aushülfemittel  vergegenwärtiget.
Liess  sich  der  Theil  des  Paradieses  darum  eher  nachbilden,  dass
es  uns  die  verdienstlichsten  Männer  in  der  religiösen  Literatur
vorgeführt  hatte,  so  wurden  die  früheren  Theile,  als  Vorläufer  zum
Paradies,  damit  ersetz!  ,  dass  der  heiligen  Literatur  die  profane
als  Vorläuferin,  nach  der  von  Maimonides  anerkannten  Ansicht,  dass
die  Vollkommenheit  in  den  profanen  Wissenschaften  zur  grossem
Vervollkommnung  in  der  heiligen  führe,  in  derselben  Weise  vorangeschickt ­
  wurde.  DasParadies,  als  Wohnort  der  Seligen,  hatnicht
zur  Vorbedingung  die  läuternde  Pein  körperlicher  und  geistiger
Qualen,  sondern  vielmehr  wie  zur  höchsten  Stufe  der  Verklärung  die
Vorstufe  der  sittlichen  und  wissenschaftlichen  Vervollkommnung-.
Demgemäss  zerfällt  nun  das  Werk,  das  im  Ganzen  Mikdasch
Meat  (kleines  Heiligthum)  genannt  wird,  in  zwei  Haupttheile,  deren ­
  erster  betitelt:  Ulam,  Vorhof,  in  fünf  Gesängen  die  alte  aristotelisch ­
  -  averroistische  Philosophie  sammt  der  Eintheilung  der
Wissenschaften  und  die  Angabe  ihrer  Resultate  zum  Vorwurfe  hat,
während  der  zweite,  Hekal,  Tempel,  in  acht  Gesängen  die  jüdische
Literaturgeschichte,  und  zwar  das  religiöse  Moment  vorzüglich
hervorhebend,.in  chronologischer  Reihenfolge  behandelt.  Das  Ganze
aber  ist  so  ein  Ausdruck  Dante’s,  dass  ihm  sogar  bestimmte  Stellen, ­
  von  deren  einer  wir  noch  weiter  unten  sprechen  werden,  vollkommen ­
  nachgeahmt  sind.  Die  dreiversigen  Strophen,  die  verschlungenen ­
  Reime  ,  von  welchen  der  mittlere  immer  die  folgenden ­
  zwei  äusseren  beherrscht,  so  dass  zum  Schlüsse  eines  jeden
Gesanges  ein  vierter,  mit  dem  mittlern  gleichlautender  Vers,  das
wie  eine  ewige  Unendlichkeit  fortlaufende  Sänlengebäude  abgränzt
und  beschliesst,  überraschen  hier  das  Auge  und  das  Ohr  nicht
minder  wie  in  der  Commedia  des  Dante.
            
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