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Dem Geiste der hebräischen Sprache und ihrer vorzüglich
moralischen Literatur lag wohl der dritte Theil der Commedia,
das Paradies, näher, und ist auch in der Thal dies Werk demselben
vorherrschend ähnlich; aber die vorangeschickten Theile der
Commedia, das Fegefeuer und die Hölle, auch diese müssten vertreten
sein, sollte das Werk eine Rundung und Vollständigkeit besitzen.
Und, wie wir es jetzt vor Augen sehen, stellt es auch nichts
Anderes als ein Bild der ganzen Commedia dar. Hölle und Paradies
sind hier durch ein sinniges Aushülfemittel vergegenwärtiget.
Liess sich der Theil des Paradieses darum eher nachbilden, dass
es uns die verdienstlichsten Männer in der religiösen Literatur
vorgeführt hatte, so wurden die früheren Theile, als Vorläufer zum
Paradies, damit ersetz! , dass der heiligen Literatur die profane
als Vorläuferin, nach der von Maimonides anerkannten Ansicht, dass
die Vollkommenheit in den profanen Wissenschaften zur grossem
Vervollkommnung in der heiligen führe, in derselben Weise vorangeschickt
wurde. DasParadies, als Wohnort der Seligen, hatnicht
zur Vorbedingung die läuternde Pein körperlicher und geistiger
Qualen, sondern vielmehr wie zur höchsten Stufe der Verklärung die
Vorstufe der sittlichen und wissenschaftlichen Vervollkommnung-.
Demgemäss zerfällt nun das Werk, das im Ganzen Mikdasch
Meat (kleines Heiligthum) genannt wird, in zwei Haupttheile, deren
erster betitelt: Ulam, Vorhof, in fünf Gesängen die alte aristotelisch
- averroistische Philosophie sammt der Eintheilung der
Wissenschaften und die Angabe ihrer Resultate zum Vorwurfe hat,
während der zweite, Hekal, Tempel, in acht Gesängen die jüdische
Literaturgeschichte, und zwar das religiöse Moment vorzüglich
hervorhebend,.in chronologischer Reihenfolge behandelt. Das Ganze
aber ist so ein Ausdruck Dante’s, dass ihm sogar bestimmte Stellen,
von deren einer wir noch weiter unten sprechen werden, vollkommen
nachgeahmt sind. Die dreiversigen Strophen, die verschlungenen
Reime , von welchen der mittlere immer die folgenden
zwei äusseren beherrscht, so dass zum Schlüsse eines jeden
Gesanges ein vierter, mit dem mittlern gleichlautender Vers, das
wie eine ewige Unendlichkeit fortlaufende Sänlengebäude abgränzt
und beschliesst, überraschen hier das Auge und das Ohr nicht
minder wie in der Commedia des Dante.